«Männlich, zwischen 30 und 35 Jahre alt» – so lautet manch stereotype Vorstellung über einen Informatiker.
Tatsächlich arbeiten in der Informatik-Branche wenig Frauen: 18 Prozent. Und dieser Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren gemäss den Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung SAKE auch nur minim verändert.
Stereotype schaden der Wirtschaft
Werden Frauen in der Informatik ignoriert, habe das wirtschaftliche Konsequenzen, sagt Priska Burkard. «Die Folgen sind klar: Man vergibt sich ein riesiges Potential. Talente und Innovationskraft gehen verloren.»
Sie begleitet in ihrem Unternehmen Techface qualifizierte Quereinsteigerinnen mit einem persönlichen Coaching-Programm. Denn sie ist überzeugt: Mit Quereinsteigerinnen könnte der Fachkräftemangel in der Schweizer IT-Branche behoben werden.
Frauen würden sich grundsätzlich für die IT-Branche interessieren, doch zurzeit brauche es vor allem noch viel Umdenken in den Unternehmen.
«Sie sehen nicht, dass es viele spannende Quereinsteigerinnen auf dem Markt hat und dass sie durch diese einen Mehrwert bekommen würden», sagt Priska Burkard. So bringen Quereinsteigerinnen oft relevante Berufserfahrung aus anderen Branchen mit.
Mädchen brauchen weibliche Vorbilder
Die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen, ist ein anderer Ansatz, um mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern. Durch weibliche Vorbilder würden sich Mädchen und junge Frauen eher für einen technischen Studiengang entscheiden, erklärt Susanne Suter.
Die Dozentin für Data Science ist an ihrem Institut die einzige Frau neben sechs Professoren und betreibt gezieltes Networking, um Kolleginnen zu fördern. «Frauen werden oft nicht als Expertinnen wahrgenommen. Deshalb lade ich so oft wie möglich eine Frau ein, wenn es darum geht, Vorträge zu organisieren.»
Das Geschlechter-Ungleichgewicht, der sogenannte Gender-Gap, ist ein strukturelles Problem, das erst durch gesellschaftlichen Wandel aufgelöst werden kann. Denn dabei spielen stereotype Geschlechterbilder – oft auch unbewusst – eine grosse Rolle.
«Ein typisches Beispiel der Gender-Vorurteile ist, dass Frauen oft nach Leistung und Männer nach Potential beurteilt werden», sagt Susanne Suter und spielt den Ball auch den Frauen zu.
36'000 fehlende Fachkräfte
Sie findet: Frauen dürfen mutiger sein. «Wir Frauen haben immer das Gefühl, wir müssen noch eine Ausbildung, noch ein Praktikum machen, bis wir etwas können. Da dürfen wir uns selbst an der Nase nehmen und etwas wagen.»
Entschieden sich mehr Frauen für einen IT-Beruf, käme das der gesamten Branche zugute. Denn der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz schätzt, dass der Schweiz bis 2028 rund 36'000 IT-Fachkräfte fehlen werden.