Der Musikhandel steckt schon seit Jahren in der Krise und geht auch am Zürcher Familienunternehmen Musik Hug nicht spurlos vorbei. Um weitere Kosten zu sparen, will es 85 Stellen streichen, den Standort St. Gallen schliessen und das Verkaufslokal in Basel aufgeben.
«Der Hauptgrund für diesen massiven Massnahmenplan ist das zurzeit sehr schwierige wirtschaftliche Umfeld – speziell im Detailhandel mit schlechter Konsumentenstimmung. Insbesondere im Kulturbereich verzeichnen wir seit Jahren einen Rückgang», sagt Erika Hug, Verwaltungsratspräsidentin von Musik Hug.
Grosse internationale Konkurrenz im Internet
Immer öfter würden Instrumente, Notenblätter und anderes Musikmaterial im Ausland oder im Internet gekauft. Musik Hug habe selber zwar auch einen Onlineshop, der sei aber noch nicht so gross.
«Er läuft gar nicht schlecht, aber er kann natürlich mit dem stationären Handel nicht mithalten. Es braucht eine Entwicklung. Dazu kommt, dass beispielsweise Amazon heute der weltweit grösste Notenhändler ist», so Hug weiter. Das ist eine grosse internationale Konkurrenz für ein Schweizer Unternehmen, auch wenn es eines der grössten und ältesten Musikhäuser Europas ist.
Junge gehen nicht mehr in die Blasmusik
Ausserdem sind CD-Verkäufe in den letzten Jahren eingebrochen und auch Blasinstrumente werden immer weniger verkauft. Der Markt sei in den letzten Jahren um 20 Prozent geschrumpft.
Laut Hug spielt wohl auch eine Rolle, dass die Jungen heute andere Freitzeitbeschäftigungen suchen und weniger als früher in Blasmusikvereinen mitmachen. Früher habe es in jeder Gemeinde zwei Blasmusikvereine gegeben – einen eher liberalen und einen eher konservativen. Doch heute sei das anders: «Ich glaube, die jungen Leute möchten nicht mehr in Uniformen zweimal in der Woche üben. Es ist einfach ein Trend und eine Entwicklung», stellt Hug fest.
Musik Hug will sich deshalb in Zukunft auf den Bereich konzentrieren, der noch rentabel ist: Auf Keyboards und Klaviere und deren Wartung. Hier will das Traditionsunternehmen sogar noch wachsen.