Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt – entgegen früheren Angaben – nicht direkt gegen Martin Winterkorn, den früheren VW-Chef. Ein formelles Ermittlungsverfahren gegen den 68-Jährigen werde gegenwärtig nicht geführt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
In einer ersten Pressemitteilung der Ermittlungsbehörde am Montag hatte es noch geheissen, aufgrund von Strafanzeigen sei ein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn eingeleitet worden. Der Schwerpunkt liege auf dem Vorwurf des Betrugs.
Diese Mitteilung war einen Tag später im Internet gegen eine neue ausgetauscht worden, in der nur noch von der Prüfung eines Anfangsverdachts die Rede ist. Diese Mitteilung wurde jedoch nicht an die Presse versandt.
«Kein Anfangsverdacht»
Die Staatsanwaltschaft teilte mit, aufgrund von Anzeigen sei ein Verfahren eingeleitet worden, um die Verantwortlichkeiten bei Volkswagen in der Affäre zu klären. «Gegen Prof. Dr. Winterkorn besteht kein Anfangsverdacht», hiess es in der Mitteilung. Sofern dieser Eindruck entstanden sei, bedauere man dies.
Als «Quelle des Missverständnisses» nannten die Ermittler Vorgaben der Aktenordnung, wonach bei Eingang einer Anzeige gegen eine bestimmte Person ein entsprechender Vorgang anzulegen sei. Man bedauere «Irritationen im Zusammenhang mit der VW-Affäre». Das niedersächsische Justizministerium erklärte, es habe keinen Einfluss auf die Informationspolitik der Staatsanwaltschaft genommen.
Winterkorn war vergangene Woche in dem Abgas-Skandal von der Konzernspitze zurückgetreten. Er wurde durch den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller ersetzt, der die Aufklärung der Manipulationen von Abgaswerten vorantreiben soll.