Die Tricksereien der Autokonzerne bedeuten: Zwei bis fünfmal mehr Stickoxid als vorgesehen verpestet die Luft – und das macht die Atemwege vieler Menschen krank. Das sagen Fachleute wie Christian Bach vom Eidgenössischen Materialforschungsinstitut Empa.
Um das zu verstehen, muss man wissen: Diesel-Autos habe eine Art Selbstreinigung im Motor eingebaut. Diese sorgt dafür, dass sie möglichst wenig Stickoxid ausstossen. Bei tiefen Temperaturen dürfen sie sie ausschalten, um Schäden am Motor zu verhindern, bei höheren nicht.
Tricksereien als Reaktion auf strengere Gesetze
Fachmann Christian Bach sagt, dass Diesel-Autos so funktionieren: «Das ist bis heute eine der Hauptmassnahmen, um die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Personenwagen zu mindern.» Dass Autokonzerne diese Selbstreinigung nun zunehmend auch bei höheren Temperaturen ausschalteten und so die Luft verschmutzten, täten sie erstens, um Diesel zu sparen.
Das ist aber nicht alles: Sie tricksten zweitens, weil die CO2-Vorgaben – auch in der Schweiz – in letzter Zeit immer strenger geworden seien. Mit den Tricksereien versuchten sie nun, die Regeln zu brechen.
Und auch in der Schweiz verschärft sich das Problem: immer mehr Stickoxid gelangt in die Luft. Denn es gibt immer mehr Diesel-Autos. Heute fährt bereits ein Viertel aller Autos mit Diesel.
«Es macht keinen Sinn, Normen zu haben, die nur im Labor Verbesserungen bringen.»
Die Schummeleien sind den Schweizer Autoprüfern übrigens schon länger bekannt. Nur: Bis jetzt war nicht klar, ob sie tatsächlich illegal sind. Fachmann Christian Bach sagt, die Norm, die die Selbstreinigung der Motoren und damit den Ausstoss der Stickoxide regelt, sei schwammig formuliert. Deshalb habe man das Verhalten der Autokonzerne bis jetzt toleriert.
Griffigere Gesetzgebung in der Pipeline
Neu stehe aber in einem Bericht des deutschen Bundestags, dass ihr Gebaren wohl illegal sei. Zum Glück – im Interesse einer saubereren Luft. Bach begrüsst die Entwicklung. «Es macht keinen Sinn, Normen zu haben, die nur im Labor Verbesserungen bringen, nicht aber in der Realität.»
Das zuständige Bundesamt für Strassen klärt im Moment ab, ob es in der Sache etwas unternehmen soll. Mittelfristig dürfte sich das Problem der Motoren-Selbstreinigung allerdings weitgehend von selbst lösen: 2017 oder 2018 tritt weltweit eine neue, besser formulierte Abgasnorm in Kraft. Die Schweiz wird die Norm übernehmen – und so wird die Luft künftig wohl auch hierzulande weniger dreckig sein.