Der erste Krimkrieg
Mitte 19. Jahrhundert: Britische und französische Soldaten kämpften an der Seite der Osmanen gegen Russland. Und rauchten in Zeitungspapier eingewickelten Tabak. Die Zigarette, die kleine Zigarre, war billiger als ihre grössere Schwester und kriegstauglicher als eine Pfeife.
Historische Tabakwerbung
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Bild 1 von 5. Fahrradfahrende Frauen für Ogden's Guinea Gold Cigarettes, um 1900. Bildquelle: Wikiwand.
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Bild 2 von 5. Los Cigarrillos Paris, um 1901. Bildquelle: Aleardo Villa.
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Bild 3 von 5. Red Indian Cut Plug. Dazu erhielt man eine Schachtel Bonbons. Datum unklar. Bildquelle: Library of Congress.
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Bild 4 von 5. Christy Mathewson, Pitcher der New York Giants, wirbt für Tuxedo Tabacco, um 1910. Bildquelle: Tuxedo Tobacco.
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Bild 5 von 5. Eine Packung Lucky Strike für 10 Cents, 1917. Bildquelle: Daily East Oregonian.
Anfang 20. Jahrhundert: Kaiser und Könige rauchten. Wer beruflich etwas erreichen wollte, rauchte. Die Zigarette wurde zum Statussymbol. Denn die Zigarette passte zum Zeitgeist: Schnelllebigkeit, Weltoffenheit, auch etwas Verruchtheit.
Erster und Zweiter Weltkrieg
Die Zigarette unterdrückte den Hunger der Bevölkerung. Die Nationalsozialisten führten zwar Kampagnen gegen das Rauchen – und doch wurde mit dem Zweiten Weltkrieg die Zigarette zum Massenprodukt. Ihre Gesundheit war den Soldaten im Schützengraben wohl zweitrangig.
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Bild 1 von 4. Kriegsbilder für das Kind, Zigaretten für den Soldaten. Camel-Werbung im Zweiten Weltkrieg, 1939. Bildquelle: RJ Reynold Tobacco Company.
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Bild 2 von 4. Camel wirbt nicht nur für die Zigarette, sondern auch für Frauen in Männerjobs, die amerikanische Flagge und die Navy und die Army, um 1942. Bildquelle: RJ Reynold Tobacco Company.
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Bild 3 von 4. Der US-amerikanische Schauspieler Humphrey Bogart starb 1957 an Speiseröhrenkrebs. Dieses Bild stammt aus dem Jahre 1941. Bildquelle: Keystone / Interfoto.
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Bild 4 von 4. James Dean, das Jugendidol. Auch mit Zigarette im Mund. Datum des Bildes unbekannt. Bildquelle: Keystone / Everett Collection.
Mitte 20. Jahrhundert: Die Zahlen zum Tabakkonsum in der Schweiz dürften – besonders bei Gutgebildeten – hoch gewesen sein, bei Männern über 50 Prozent. Der Unterschied zu heute: Weniger gut Gebildete rauchten weniger.
Mehr als heute gehörte das Rauchen damals zum Lifestyle. Jede Zigarettenmarke bediente ein Weltbild: die Freiheit des Cowboys, die exotische 1001 Nacht, die schicke Künstlerszene, die emanzipierte Frau.
Gesundheit versus Tabakindustrie
Noch in den 1950er Jahren wehrte sich die Tabakindustrie vehement gegen die Schädlichkeit des Rauchens. Auch in der Schweiz. Sogar Ärzte sprachen sich für einzelne Zigarettenmarken aus: für einen frischen Rachen, gegen Asthma, um Gewicht zu verlieren.
Der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Lungenkrankheiten, der beispielsweise im US-amerikanischen Terry-Report 1964 belegt wurde, wurde in der Schweiz erst ein paar Jahre verzögert zum Thema.
Rauchen als Selbstverständlichkeit | SRF Archiv
1975 lag der Raucheranteil in der Schweiz bei 40,5 Prozent. Die Hersteller führten Light-Zigaretten ein. Noch in den 1990er Jahren schworen US-Hersteller vor Gericht, dass Nikotin nicht abhängig mache.
Ende der 1990er Jahre kippte die Stimmung, das Misstrauen gegenüber der Tabakindustrie wuchs. 1997 betrug der Raucheranteil in der Schweiz 33,5 Prozent, eine Packung Zigaretten kostete 4 Franken 10.
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Bild 1 von 6. Als das Rauchverbot noch weit weg war. Zwei Bahnreisende in einem Raucherabteil der SBB am Zürcher Hauptbahnhof, aufgenommen am 19. Februar 1976. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 2 von 6. Rauchen im TV. Die Rundschau-Moderatoren Erich Gysling und Heiner Gautschy, 1971. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Rauchend aus dem Krieg. Ein Schweizer Arzt und eine Krankenschwester der ersten «Ärztemission an die Ostfront» bei ihrer Rückkehr nach Bern am 29. Januar 1942. Die politisch motivierte Mission unter dem Patronat des Roten Kreuzes kümmerte sich um deutsche Kriegsopfer und stellt ein umstrittenes Kapitel der Schweizerischen Neutralitätspolitik dar. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 4 von 6. Noch gar nicht lange her... ...aber heute nicht mehr denkbar. Ein Raucherabteil der SBB am 9. November 2005 zwischen Zürich HB und Baden. Bildquelle: KEYSTONE/Martin Ruetschi.
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Bild 5 von 6. SBB-Werbefilm für das Rauchverbot in Zügen. Drehpause für zwei Dromedare auf dem Bahnhof Faido am Dienstag 18. Oktober 2005. Das Dromedar ist ein langjähriges Werbetier für eine Zigarettenmarke. Bildquelle: KEYSTONE/Giuliano Giulini.
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Bild 6 von 6. Vor dem Rauchverbot. Zwei junge Menschen rauchen in einer Bar in Zürich, 7. März 2009. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
2005 – ein wichtiges Jahr für die Tabakprävention
Die SBB nahmen die Raucherwagons aus dem Verkehr, im Parlament wurde der Schutz vor dem Passivrauchen diskutiert und der Kanton Tessin führte ein Rauchverbot in Restaurants ein. Die Tessiner Gastronomie unterstützte das Rauchverbot, damit die Gäste nicht nach Italien abwandern.
Am 1. Mai 2010 war in den Schweizer Restaurants ausgeraucht, das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen trat in Kraft. Die Schweizer Gastronomieszene fürchtete eine Abnahme der Einkünfte. Die Zigarettenpackung kostete 7 Franken 20, der Raucheranteil lag bei 27 Prozent.
10 Jahre danach
Seit dem Rauchverbot im Jahr 2010 sind deutlich weniger Personen dem Passivrauch ausgesetzt. Die Zahl der Rauchenden ist nicht markant gesunken, doch das Rauchverhalten hat sich verändert: es gibt weniger starke Raucher. Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau rauchen heute häufiger und mehr als andere.