Homosexuell zu sein lässt einen nicht langsamer laufen oder schlechter zielen. Dennoch hat sich in der Schweiz bisher noch kein Profifussballer als schwul geoutet. Homosexualität ist nicht nur im Männer-Fussball, sondern in vielen Sportarten noch immer ein Tabu. Und zwar nicht nur auf Top-Ebene, sondern auch in ganz normalen Sportvereinen.
Homosexuelle Sportler
-
Bild 1 von 10. Pascal Erlachner. Als erster Aktiver im Schweizer Fussball outet sich Spitzen-Schiedsrichter Pascal Erlachner 2017 als schwul. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 2 von 10. Orlando Cruz. Der puerto-ricanische Profiboxer Cruz outete sich als erster Boxer während seiner Profikarriere. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 3 von 10. Tom Daley. Bei den Schwimmweltmeisterschaften 2009 in Rom gewann er das 10-m-Turmspringen und ging damit als jüngster Weltmeister in die Geschichte ein. Der britische Wasserspringer und Olympiadritte von 2012 enthüllte seine Liebe zu einem Mann Anfang Dezember 2013. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 4 von 10. Robbie Rogers. Anfang 2013 outete sich der amerikanische Fussballspieler und gab gleichzeitig seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 5 von 10. Justin Fashanu . Der britische Fussballstar war 1990 der erste aktive Profi, der sich outete. Acht Jahre später erhängte sich der damals 37-Jährige. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 6 von 10. Greg Louganis. Der Amerikaner Greg Louiganis (r.) ist mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister im Turmspringen. 1994 outete Louganis und gab bekannt, dass er seit 1988 mit dem HI-Virus infiziert sei. Louganis ist mit dem Rechtsanwaltsgehilfen Johnny Chaillot verheiratet. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 7 von 10. Brian Orser. Der zweimalige Olympiazweite im Eiskunstlauf ist heute als Coach in Pyeongchang im Einsatz. 1998 wurde Brian Orser von seinem ehemaligen Lebenspartner auf Unterhalt verklagt. Als Nebeneffekt wurde Orsers Homosexualität öffentlich. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 8 von 10. Gareth Thomas. Im Dezember 2009 sorgte er international für Schlagzeilen. Er war der erste prominente Rugbyspieler, der seine Homosexualität in der Öffentlichkeit nicht mehr versteckte. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 9 von 10. Thomas Hitzlsperger . Im Januar 2014 outet sich Hitzlsperger. Er war damit der erste prominente deutsche Profifussballspieler, der öffentlich erklärte, homosexuell zu sein. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 10 von 10. Mark Tewksbury. Kurz nach seinem Outing 1998 verlor der Schwimm-Olympiasieger von Barcelona 1992 einen lukrativen Werbevertrag. Bildquelle: Keystone.
Verkauft sich Männlichkeit einfach besser?
Die Gründe dafür sind diffus, besonders in Sportarten, die viel öffentliche Aufmerksamheit erhalten. Zum Beispiel im Fussball. Einige behaupten, homophobe Fangruppen seien das Problem. Oder die Sponsoren, die ein traditionelles Männlichkeitsbild vermarkten und daran gut verdienen. Andere wiederum sehen den Grund in den Teammitgliedern, die aus chauvinistisch geprägten Kulturen stammen und damit nicht umgehen können. Wieder andere sagen: Fussball sei halt ein globales Geschäft, das sich nur mit Männlichkeit verkaufe. Basta.
Film «Mario» bringt Tabu aufs Tapet
Wozu das Tabu führen kann, erzählt Regisseur Marcel Gisler im Film «Mario», der am 22. Februar in die Schweizer Kinos kommt. Darin erzählt er die tragische Geschichte zweier Fussballnachwuchstalente, die sich verlieben – deren Liebe aber nicht sein darf.
Weltweit erst drei Fussballprofis geoutet
Tatsache ist: Weltweit haben sich erst drei Spitzenfussballer geoutet. Und einer davon hat sich deswegen acht Jahre später das Leben genommen. Für Fussballer bedeutet Homosexualität auch heute noch Selbstverleugnung und ein unwürdiges Versteckspiel.
Als erster Aktiver im Schweizer Fussball hat sich 2017 Spitzenschiedsrichter Pascal Erlachner als schwul goutet. «Man soll jeden Menschen so akzeptieren, wie er ist», sagt er. «Respekt und Toleranz finde ich in unserer Gesellschaft sehr wichtig.»
Testosterongeladene Kampfszenen und aggressive Männlichkeit: Hat Homosexualität im Männersport keinen Platz? Und wieso sind schwule Fussballer im Jahr 2018 immer noch ein Aufreger? In der Sendung «Forum» diskutierten folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern:
- Pascal Erlachner, erster offiziell schwuler Fussball-Profischiedsrichter in der Schweiz
- Philipp Grünenfelder, Präsident von Queerpass, dem Fanclub für schwule, lesbische, bi- und heterosexuelle FC-Basel-Fans
- Marianne Meier, Genderforscherin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Uni Bern, IZFG
Meinungen aus der Online-Diskussion sind in die Live-Sendung eingeflossen.