Orange mit violettem Schriftzug – so sieht die neue Autobahnvignette für das Jahr 2025 aus. Sie gilt ab dem 1. Februar 2025. Bei vielen Autofahrerinnen und Autofahrern löst die Vignette wohl kaum Gefühle aus, bei Patrick van der Woude dafür umso mehr.
Für den Niederländer ist die Autobahnvignette mehr als nur ein Aufkleber auf der Scheibe. Der 47-Jährige sammelt leidenschaftlich Vignetten. «Die Vignette ist Passion, sie ist Liebe, sie ist alles für mich», sagt van der Woude.
Liebe auf den ersten Blick
Angefangen hat seine Leidenschaft 1987. Damals fuhr er als Kind mit seinem Vater durch die Schweiz. Am Grenzübergang Chiasso sah er die Vignette zum ersten Mal. Van der Woude weiss heute noch genau, wie sie ausgesehen hat: «Als ich die schöne Farbkombination mit dunkelblau und gelb gesehen habe, war meine Passion geboren.»
Mittlerweile hat der Niederländer bereits über 19'000 Vignetten, 10'000 davon aus der Schweiz. Jede Woche kommen neue dazu. Er ersteigert sie im Internet und fragt niederländische Wohnwagenbesitzerinnen und -besitzer, ob er die alten abkratzen darf. Er scannt jede Vignette ein und stellt sie online.
Leidenschaftlicher Vignetten-Sammler
Die schönsten Exemplare hängt er in seine Wohnung, darunter auch seine Lieblingsvignetten. Er hat drei Lieblinge: die aus 1985, die er als «Königin der Vignetten» bezeichnet, die aus 1987, welche seine Leidenschaft entfacht hat, und die aus dem Jahr 2000, «die sehr schön ist».
Seit 40 Jahren dasselbe Design
Zu verdanken hat der Vignetten-Fan seine Leidenschaft Roland Hirter. Er ist pensionierter Grafiker und der Mann, der die ikonische Vignette vor 40 Jahren designt hat. «Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Design so lange überlebt», sagt er. Alles begann 1984 mit einem Wettbewerb. Der Grafiker nahm mit seinem Design teil – und gewann.
Seitdem hat sich das Design der Vignette kaum geändert. Zwei kleine Details musste Roland Hirter verändern, damit es schwieriger wird, sie zu fälschen. Auf der einen Seite hat es ein feines Raster, auf der anderen Seite sind kleine Jahreszahlen sichtbar.
Sein Sohn designte die E-Vignette
Auch heute noch, mit 82 Jahren, hat der Berner seine Finger im Spiel. Bis heute kreiert er die Farbmuster der Autobahnvignette. Er mache es noch immer gerne: «Wenn jemand anderes die Farbe entwerfen würde und sie mir nicht gefallen würde, würde mich das stören.»
Als für die E-Vignette, die es seit 2023 gibt, ein Design gesucht wurde, wurde Roland Hirter erneut angefragt. Er lehnte ab, schlug jedoch seinen Sohn als nächsten Designer vor. So blieb das Vignetten-Design sozusagen in der Familie.
Die physische Vignette dürfte mehr und mehr verschwinden. Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer kaufen sie online. Letztes Jahr waren es 35 Prozent – Tendenz steigend.
Was für uns mehr Komfort bedeutet, bedeutet für Patrick van der Woude das Ende seiner analogen Sammlung. Ihn mache das traurig: «Ich habe so viele Jahre Vignetten von Windschutzscheiben abgekratzt und gesammelt. Das ist schade.»