Die Idee des Crèmeschnitten-Schneiders kommt nicht etwa daher, dass Roland Kyburz aus dem Aargau dieses beliebte Dessert besonders mag.
Bei einem gemeinsamen Nachtessen mit Freunden hörte er die Geschichte von einem Bankangestellten einer Zürcher Bank, der in der Kantine jeden Tag versuchte, seine tägliche Crèmeschnitte anständig zu verschneiden. Und jedes Mal endete der Genuss im Eklat.
Kein Hersteller gefunden
Roland Kyburz, gelernter Werkzeugmechaniker, schritt zur Tat und entwickelte einen Prototypen. Das Urmodell dieses Crèmeschnittten-Schneiders sieht aus wie eine kleine Grillzange: Auf der einen Seite eine zweizackige Gabel, auf der anderen Seite ein Messer. Beides aus Metall. Herstellen wollte das Teil zuerst niemand, schon gar nicht in der Schweiz.
Also ging Kyburz nach China – doch das war ein Desaster. Die Qualität war mies, und das Gerät funktionierte nicht. Also schwenkte er um auf Plastik. Das funktionierte; heute lässt Roland Kyburz seine Bauteile von einer Firma im Nachbardorf herstellen.
Die Aufgabe eines Erfinders ist mit der Idee jedoch nicht fertig. Das Produkt dem Publikum schmackhaft zu machen, sei nicht immer einfach, sagt der 75-Jährige: «Der Aufwand ist gross, und wenn nichts läuft, muss man schon aufpassen, dass es einem nicht verleidet».
Paraplegiker-Zentrum als Abnehmer
Irgendwann kam Kyburz auf die Idee, das Messer könnte doch auch für Menschen, die aus irgend einem Grund nur einen Arm oder eine Hand gebrauchen können, nützlich sein. Dies, weil man mit diesem Gerät auch Fleischstücke oder Gemüse und Früchte mit nur einer Hand zerkleinern kann. Die Idee kam an: Mittlerweile zählen auch die Rheumaliga, das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil und diverse Rehakliniken zu seinen Kunden.
Erfinder Roland Kyburz hat bis heute rund 5000 seiner Crèmeschnittenschneider verkauft. Die meisten übers Internet. Investiert hat er 50‘000 Franken. Neue Ideen hätte er zwar schon im Köcher, verrät er. Aber ob er sich mit seinen 75 Jahren den ganzen Prozess nochmals antun wolle, sei noch offen.