Der Rekordtorschütze Brasiliens konnte als bisher einziger Spieler 3 Mal einen WM-Titel gewinnen und setzte weitere Massstäbe für spätere Generationen. Pelés Leben ist die klassische Geschichte eines Aufsteigers: Geboren am 23. Oktober 1940 als Sohn einer Wäscherin und eines erfolglosen Provinz-Fussballers, wuchs Edson Arantes do Nascimento in ärmlichen Verhältnissen auf.
Auf der Strasse erwarb er die Grundlagen für eine der grössten Karrieren aller Zeiten. Die perfekte Kombination aus Technik und Schnelligkeit sowie Übersicht und Dribbelkunst trugen Pelé mit 16 Jahren ein Probetraining beim FC Santos ein. Der Rest ist Geschichte.
Schon mit 17 Jahren Weltmeister
An der WM 1958 in Schweden betrat ein schmächtiger 17-jähriger Brasilianer die Fussballbühne. Spätestens nach seinem Hattrick im Halbfinal gegen Frankreich und 2 wunderschönen Treffern im Endspiel gegen Schweden (5:2) war die Welt voller Bewunderung für Pelé, den jüngsten Weltmeister der Geschichte.
Pelé feierte auch 4 Jahre später den Titel, obwohl das Turnier für ihn aufgrund einer selbstverschuldeten Verletzung schon in der Gruppenphase beendet war. 1966 setzten die Portugiesen den Stürmerstar ausser Gefecht. Brasilien schied überraschend in der Vorrunde aus.
Aus der Verbannung auf den Thron
Der neue Nationaltrainer Joao Saldanha hatte Pelé aus dem Nationalteam verbannt mit der Begründung, dieser sei zu alt und dick geworden. Nach fast 2-jähriger Absenz kehrte Pelé im Vorfeld der WM 1970 unter massivem Druck der brasilianischen Regierung zurück. Mit der oftmals als beste Seleçao aller Zeiten bezeichneten Mannschaft um Jairzinho, Tostao, Gerson und Rivelino wurde Pelé als bisher einziger Fussballer zum 3. Mal Weltmeister.
Im Final gegen Italien brachte Pelé Brasilien mit einem wuchtigen Kopfballtor in Führung. Nach dem berauschenden 4:1 liess sich der Fussball-König gebührend feiern. «O Rei», wie er in seiner Heimat genannt wurde, hatte den Thron endgültig bestiegen.
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Bild 1 von 14. 1958: Pelés Stern geht auf. Ein 17-Jähriger hebt den Fussball auf ein neues Niveau. An der WM in Schweden verzückt Pelé das Publikum mit seinen Tricks. Dieses ist ihm nicht einmal böse, dass er die Schweden im Final (5:2) wie Statisten aussehen lässt. Bildquelle: imago images.
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Bild 2 von 14. 1958: Sein wohl berühmtestes Tor. In ebendiesem WM-Final nimmt Pelé den Ball mit dem Rücken zum Tor an, lupft ihn über sich selber und schliesst volley zum vorentscheidenden 3:1 ab. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 14. 1962: Gute Miene zum bösen Spiel. Nach glanzvollem Auftritt im ersten WM-Spiel verletzt sich Pelé in der 2. Partie und muss den Rest des Turniers zuschauen. Im Halbfinal gegen Gastgeber Chile schwenkt er aus Höflichkeit ein chilenisches Fähnchen. Angeführt von Garrincha, Vava und Zito verteidigen seine Teamkollegen den Titel. Bildquelle: Keystone.
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Bild 4 von 14. 1963: Audienz beim Papst. Ein Jahr nach dem 2. WM-Titel wird Brasiliens Nationalteam von Papst Johannes XXIII. empfangen. Pelé zeigt reges Interesse an der Schweizergarde. Bildquelle: imago images.
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Bild 5 von 14. 1966: Die Jagd auf den Zauberer. An der WM in England versuchen Brasiliens Gegner, Pelé mit Härte aus dem Spiel zu nehmen. Mit Erfolg: Im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Portugal verletzt er sich, muss lange behandelt werden und kann die 1:3-Niederlage nicht verhindern. Der Titelverteidiger ist out. Bildquelle: imago images.
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Bild 6 von 14. 1968: Das Freundschaftsspiel gegen den FCZ. Pelés Klub Santos unternimmt eine Europa-Tournee und spielt im (politisch heissen Sommer) 1968 im Letzigrund gegen den FC Zürich. Hier sind Pelé und Köbi Kuhn zu sehen – die Zürcher gewinnen sensationell 5:4. Bildquelle: Keystone.
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Bild 7 von 14. 1970: Der 3. WM-Titel. Von seinem Ex-Mitspieler Zagallo gecoacht, führt Pelé Brasilien an der WM in Mexiko in neue Höhen. Im Final gegen Italien trifft Pelé früh zur Führung – Italiens Hüter Enrico Albertosi bleibt das Nachsehen. In der 2. Halbzeit bereitet er zwei weitere Tore zum 4:1-Schlussstand vor. Bildquelle: imago images.
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Bild 8 von 14. 1974: Der Abschied von Santos. Als 15-Jähriger hatte Pelé 1956 sein Debüt in der 1. Mannschaft von Santos gegeben. 18 Jahre später läuft er zum letzten Mal im Dress seines Herzensklubs auf. Bildquelle: imago images.
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Bild 9 von 14. 1977: Die New-York-Cosmos-Phase. Aus finanzieller Not gibt Pelé 1975 den Rücktritt vom Rücktritt und heuert bei New York Cosmos an, das den Fussball in den USA populärer machen will. Drei Saisons spielt er für die New Yorker, im letzten Jahr gemeinsam mit Franz Beckenbauer. Bildquelle: imago images.
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Bild 10 von 14. 1986: Legenden unter sich. Pelés legitimer Nachfolger ist Diego Armando Maradona. Wenige Monate nach dem argentinischen WM-Titel 1986 posieren die beiden Ausnahmekönner für die Fotografen. Bildquelle: imago images.
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Bild 11 von 14. 1987: Häufiger Gast in der Schweiz. Immer wieder macht Pelé nach seiner Karriere in der Schweiz Halt – meist um eine seiner zahlreichen Ehrungen abzuholen oder für PR-Auftritte. Hier sind der Brasilianer und Diego Maradona im Hardturm zu sehen. Bildquelle: Keystone.
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Bild 12 von 14. 2007: Gescheitertes Ausbildungsprojekt. Mit Lausanne will Pelé eine Partnerschaft eingehen, um brasilianischen Nachwuchs-Fussballern ein Sprungbrett für Europa zu bieten. Das Projekt bleibt aber ohne nachhaltigen Erfolg. Bildquelle: imago images.
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Bild 13 von 14. 2014: Lifetime Award. Für seine fussballerische Lebensleistung erhält Pelé 2014 einen Ehren-Ballon d'Or. Da kommen selbst dem vielfach Geehrten die Tränen. Bildquelle: Keystone.
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Bild 14 von 14. 2022: Pelés Schicksal bewegt die Fussballwelt. An der WM 2022 in Katar ist Pelés prekärer Gesundheitszustand allgegenwärtig. Fans aus aller Welt wünschen dem Brasilianer Kraft und Mut. Bildquelle: Imago/Ulmer Teamphoto.
Keine Zweifel am eigenen Wert
Pelé, mit 77 Treffern in 92 Spielen (mittlerweile gemeinsam mit Neymar) immer noch Rekordtorschütze der Seleçao, hatte bereits am 19. November 1969 Sonder-Status erlangt. Im Maracana-Stadion erzielte er mit Santos gegen Vasco da Gama sein 1000. Tor. Fans, Fotografen und Journalisten stürmten den Rasen unmittelbar nach dem Treffer. In weiten Teilen des Landes läuteten Kirchenglocken.
Nach seinem Karriereende 1977 betreute Pelé als UNO-Sonderbotschafter weltweit verschiedene Entwicklungsprojekte. Auch als Werbeträger war er gefragt. Sein ewiger Zwist mit Diego Armando Maradona um den Titel des besten Spielers der Geschichte zog sich bis an sein Lebensende hin. Eine Aussage Pelés illustriert, dass für ihn selbst nie Zweifel in dieser Frage bestanden: «Es wird nur einen Pelé geben, wie es auch nur einen Frank Sinatra oder nur einen Michelangelo gegeben hat. Ich war der Beste.»