Die ganz grossen Szenen hatte auch Dan Ndoye im Testkick gegen Nordirland nicht. Für einmal konnte der Flügelflitzer seine Schnelligkeit und technische Versiertheit nicht ausspielen. Die nächste Gelegenheit bietet sich bereits am Dienstagabend, wenn in St. Gallen Luxemburg gastiert.
Dass der 24-Jährige zum Hoffnungsträger gereift ist, hat er sich selber zuzuschreiben. Einerseits war er die grosse Nati-Entdeckung an der EURO 2024 in Deutschland. Andererseits hat der Bologna-Legionär in dieser Saison das Toreschiessen für sich entdeckt. In seinen letzten 14 Ligapartien erzielte er 7 Tore und bereitete einen Treffer vor.
Im SRF-Interview erklärt der gebürtige Waadtländer, ihm sei durchaus bewusst, dass er nicht als klassische Tormaschine gegolten habe: «Ich wusste, dass ich mich verbessern musste in dieser Hinsicht. Dass es jetzt klappt, ist das Resultat meiner täglichen Arbeit.»
Im Nati-Trikot hält Ndoye bislang bei einem Tor in 18 Auftritten. In der EM-Gruppenphase netzte er gegen Gastgeber Deutschland ein. Nun soll der Stand auf dem geäufneten Torkonto gegen Luxemburg erhöht werden. Dass der Glamourfaktor an einem kühlen Dienstagabend gegen einen nominell kleinen Gegner nicht eben riesig ist, störe ihn keineswegs, sagt Ndoye schmunzelnd.
Blondel und Muheim dürfen sich beweisen
Nati-Trainer Murat Yakin kündigte bereits einige personelle Änderungen gegenüber dem Nordirland-Spiel an. Das grosse Nati-Casting sieht vor, dass in St. Gallen Ex-«Espe» Miro Muheim sowie Lucas Blondel als Aussenverteidiger beginnen werden. Vom Duo erwartet Yakin «viel Druck nach vorne». Für Muheim ist es ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk – er wurde am Montag 27. Blondel wiederum, der zunächst nach seiner Ankunft aus Argentinien den Reisestrapazen Tribut zollen musste, blühe langsam auf.
Offen liess Yakin hingegen die Captain-Frage: Ohne Granit Xhaka, Manuel Akanji, Remo Freuler (verletzt), Gregor Kobel, Ricardo Rodriguez und Breel Embolo (auf der Bank) in der Startelf werde die Binde entweder an Denis Zakaria oder Ruben Vargas gehen, wie Yakin andeutete.
Yakin: «Luxemburg zuletzt eindrücklich»
Offensiv eine höhere Durchschlagskraft sei das Credo gegen Luxemburg. Für eine zufriedene Abreise aus der Ostschweiz hofft Yakin auf mehr Torgefahr. Er verpasst dabei aber auch nicht, vor dem vermeintlichen Underdog zu warnen: «Nur gegen Portugal haben die Luxemburger hoch verloren, sonst sind sie zuletzt sehr eindrücklich aufgetreten. Auch die Spielweise gegen Schweden war stark.»
Wie geht der Nati-Coach mit den vor diesem Duell automatisch aufkommenden Erinnerungen an die Blamage 2008 um? Er selbst könne sich nur noch an das Resultat erinnern, nicht aber an das Spiel selbst. Wenngleich Bruder Hakan auf dem Feld stand. Diese Erinnerungslücke zeitige von Hakan sicher «einen an die Löffel», so Yakin lachend.
Thematisiert habe man das 1:2 im Team aber durchaus, inklusive Gökhan Inlers «Luxemburgerli-Gate»: «Es wurde kurz darüber gesprochen. Wir werden sicher nicht den Fehler machen, Süssigkeiten fotografieren zu lassen. Wir haben daraus gelernt.»
Gelernt hat auch Dan Ndoye. Und zwar das Toreschiessen. Es bleibt zu hoffen, dass er dies bereits am Dienstag auch im roten Nati-Trikot beweisen kann.