«Ich weiss es doch», sagt eine Frau in die Kamera. «Ich weiss, dass du dich bei der Arbeit auf dem WC versteckst und dir den Schweiss abtupfst.» Doch ihre Arbeitskolleginnen wollen nicht mit ihr darüber reden.
Worüber? Über die Menopause. Und darüber, was die Wechseljahre mit dem Körper, den Gefühlen und dem eigenen Wesen machen.
Ich hatte Angst, dass meine Exfreunde denken: ‹Wow, ist die alt!›
Ganz anders die zwölf Frauen im Dokumentarfilm «Menopause». Sie erzählen von ihren Erfahrungen, offen und ehrlich.
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Bild 1 von 12. Die zwölf Frauen, die offen über ihre Menopause sprechen. Zum Beispiel eine Ärztin, die Frauen in den Wechseljahren anders berät, seit sie selbst Erfahrungen damit gemacht hat. Bildquelle: SRF.
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Heiss, heisser, Hitzewallung
Ein Thema, das alle Frauen im Film beschäftigt, sind die körperlichen Veränderungen. Zum Beispiel die Gewichtszunahme, die häufig mit der Menopause kommt. «Es gibt einen krassen gesellschaftlichen Druck – wenn du deinen Körper nicht im Griff hast, dann hast du dein Leben nicht im Griff.»
Das ist nicht schön, das ist animalisch.
Das führt dazu, dass sich einige der Frauen zurückziehen: «Ich hatte Angst, meinen Exfreunden zu begegnen. Dass sie denken: ‹Wow, ist die alt!›»
Auch ein typisches körperliches Symptom: Hitzewallungen. «Es beginnt mit einem Kribbeln unter der Haut. Bei mir fängt es unten an, in den Waden und Beinen. Und dann folgt das Gefühl, dass sich die Temperatur im Körper plötzlich extrem erhöht. Es fühlt sich an wie eine Welle.»
Mein Körper hat sich entsexualisiert. Ich habe wenig körperliches Verlangen.
Eine andere Protagonistin erzählt davon, wie ihre Haare schweissnass werden. «Das ist nicht schön, es ist animalisch.» Und sie fügt an: «Ich bin froh, dass ich alleine schlafe und dass mich kein Mann so sieht. Denn so bin ich sicher nicht sehr begehrenswert.»
Die Sache mit dem Begehren
Überhaupt ist die Sexualität ein wichtiges Thema für die Frauen, wenn sie über ihre Wechseljahre sprechen. Sie verändert sich grundlegend. «Die Vaginalwände sind weicher, die Muskeln schlaffer, der vaginale Genuss weniger intensiv», sagt eine Ärztin in der Runde der Protagonistinnen.
Eine andere Frau ergänzt: «Mein Körper hat sich entsexualisiert. Ich habe wenig körperliches Verlangen.»
Über die Wechseljahre zu sprechen, ist schon fast exhibitionistisch.
Doch es gibt auch Frauen in der Runde, die ihre Sexualität in den Wechseljahren aktiv ausleben. Sie geniessen es, genau zu wissen, was sie wollen – auch wenn sie manchmal schräg angeschaut werden, wenn sie von ihren Datingerfahrungen erzählen.
Das grosse Tabu
Schliesslich seien die Wechseljahre noch immer ein gesellschaftliches Tabu. «Offen über die Wechseljahre zu sprechen, ist fast schon exhibitionistisch. Als würde ich meinen Regenmantel öffnen und meine Intimsphäre zur Schau stellen.»
Dass das Tabu weiter anhalte, läge auch daran, dass Frauen in den Wechseljahren in Filmen oder der Werbung kaum präsent seien. «In der Werbung tauchen Frauen um die 50 nicht auf. Erst mit 70 wieder – als alte Omas, die mit Tüchern gegen Blasenschwäche tanzen. Ich fühle mich davon nicht repräsentiert», sagt eine der Frauen lachend.
Ein stiller Prozess bis zur Unsichtbarkeit
Wenn sie in der Stadt unterwegs sei, fühle sie sich fast unsichtbar, sagt eine Protagonistin. Eine andere ergänzt: «Was unsichtbar ist, ist der Schmerz, die Scham.» Denn die Wechseljahre würden oft im Verborgenen passieren – ein stiller Prozess hin zur Unsichtbarkeit.
Gleichzeitig sei die Menopause auch ein befreiender Prozess. Man befreie sich von den Zwängen und dem Druck, wie man auszusehen habe. «Man muss lernen, sich selbst zu lieben, wie man ist.»