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Zeit rettet Hirnzellen Schicksal Schlaganfall: jede Sekunde zählt

Jährlich erleiden in der Schweiz 20'000 Personen einen Schlaganfall. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten kämpft ein Drittel danach mit Einschränkungen. Entscheidend ist der Faktor Zeit: Wird der Schlaganfall rasch erkannt und schnell behandelt, stehen die Heilungs-Chancen gut.

Der Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, ist die dritthäufigste Todesursache im Erwachsenenalter und die wichtigste Ursache einer Langzeitbehinderung. 

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn die Blutzufuhr in einem Bereich des Gehirns unterbrochen wird. In der Folge erhalten die Nervenzellen zu wenig oder gar keinen Sauerstoff und Nährstoffe mehr. Sie werden rasch geschädigt und sterben ab. 

Schlaganfall erkennen

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Mit der 4-S-Regel lassen sich die Symptome eines Schlaganfalls rasch bestimmen.  

Sie treten plötzlich auf und können einzeln oder in Kombination auftreten. 

  1. Schwäche 
    Schwankt die betroffene Person beim Gehen? Hat sie Mühe, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen? Ist das Gesicht beim Lächeln verzogen?  

    Einseitige Lähmungen sind typisch bei einem Schlaganfall.  
  2. Sehstörung
    Klagt die Person über Probleme beim Sehen? Ist sie oder er einseitig plötzlich blind oder sieht Doppelbilder?
  3. Sprachstörung
    Fällt es der Person schwer, einen verständlichen, ganzen Satz zu sagen oder nachzusprechen?
  4. Schnell alarmieren
    Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort die 144 wählen!  

    Und zwar auch dann, wenn die Symptome nach ein paar Minuten wieder verschwinden. Eine vorübergehende Durchblutungsstörung könnte eine Streifung sein und damit ein Vorbote für einen richtigen Schlaganfall. Im Unterschied zu einem richtigen Schlaganfall kommt es bei einer Streifung nur vorübergehend zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und deshalb verschwinden die typischen Anzeichen rasch wieder. Durch eine Streifung entstehen auch noch keine bleibenden Schäden. 

Wer bei sich selbst einen Schlaganfall vermutet und allein ist: Hilfe holen, sich nicht ins Bett legen. Wer einschläft, verliert wertvolle Zeit.

Nach 30 Minuten soll die Behandlung starten 

Das Motto «Zeit gleich Hirn» gilt nicht nur beim Erkennen eines Schlaganfalls, sondern auch bei der Behandlung. Je schneller mit der Behandlung im Spital begonnen werden kann, desto besser. Für den Schlaganfall-Notfall stehen in der Schweiz 25 spezialisierte Stroke Center oder Stroke Units zur Verfügung. 

Nach der neurologischen Untersuchung braucht es eine Computertomografie (CT) des Kopfes, um die Ursache zu bestimmen. 

In vier von fünf Schlaganfall-Fällen ist die Ursache ein Hirninfarkt, bei dem ein Blutgerinnsel ein Hirngefäss verstopft. Seltener ist eine Hirnblutung. Bei ihr platzt ein Gefäss und das Blut fliesst dadurch ins umliegende Hirngewebe. Beides gilt als Notfall und sofortiges Handeln ist nötig. 

Behandlungsmethoden

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  • Intravenöse Thrombolyse
    Wurde der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, erfolgt häufig eine intravenöse Thrombolyse. Der Blutpfropf wird dabei medikamentös aufgelöst. 
    • Thrombektomie
      Sind grosse Hirngefässe verschlossen, hilft die sogenannte Thrombektomie. Dabei wird ein Stent (eine Gefässstütze aus Metall) per Katheter zum Gerinnsel gebracht, aufgespannt und das Gerinnsel anschliessend mitsamt Stent wieder herausgezogen. 
    • Schädeloperation
      Ist der Schlaganfall hingegen durch eine Hirnblutung bedingt, gestaltet sich die Behandlung schwieriger. Das ins Hirn auslaufende Blut führt zu einer Druckerhöhung und Schädigung von Nervengewebe. Erstes Mittel ist eine rasche, aggressive Blutdrucksenkung. Mit einer Schädel-Operation kann das Blut entfernt werden. 
    • Neue Methoden
      Hoffnung für die Zukunft machen neue Methoden. Bei oberflächlichen Blutungen kann man mit einem Katheter durch die Schädeldecke ins Gehirn dringen und dort mit einem Sauger das Blut im betroffenen Gebiet absaugen. 

      Bei tiefen Blutungen besteht die Möglichkeit vorübergehend ein Stück der Schädeldecke chirurgisch zu entfernen, um eine Druckentlastung zu bewirken. 

    Erst, wenn die Ursache gefunden ist, kann mit einer Therapie begonnen werden. Dabei peilen die Spitäler maximal 30 Minuten von der Einlieferung bis zum Behandlungsbeginn an.

    Neurorehabilitation – Das Gehirn organisiert sich neu 

    Je nach betroffener Gehirnregion und Schweregrad hinterlässt ein Schlaganfall unterschiedlich starke Spuren in Körper und Geist. Die Neurorehabilitation beginnt, sobald die Patientin oder der Patient stabil ist und keine Intensivpflege mehr benötigt. Sie hat zum Ziel, das Gehirn bei der Regeneration und Reorganisation der geschädigten Areale zu unterstützen. Denn durch gezieltes Training können andere Hirnareale gewisse Aufgaben übernehmen. Man spricht dabei von Neuroplastizität. 

    Je nach Art der Einschränkungen gehören Physio-, Ergotherapie oder Logopädie, also die Therapie von Sprach- und Sprechstörungen, zum Therapieplan. Die Schlaganfall-Therapie setzt in letzter Zeit vermehrt auch auf spielerische Ansätze und Robotik – diese sollen, über den Spass am Spiel, die Patientinnen und Patienten zusätzlich motivieren. 

    Die Neurorehabilitation kennt drei Phasen. In einem ersten Schritt wird versucht, die ursprünglichen Funktionen wiederherzustellen. So kann eine gelähmte Hand durch gezieltes Training, ihre ursprüngliche Beweglichkeit zurückgewinnen. Gelingt dies nicht, geht es in einer zweiten Phase darum, die entstandenen Defizite zu kompensieren. Die andere, noch gesunde Hand soll künftig die Aufgaben, wie zum Beispiel das Schreiben, übernehmen können. Erst in der dritten Phase müssen die verlorenen Funktionen durch Hilfsmittel oder spezielle Technologien ersetzt werden – mit einer Schiene oder einem Rollstuhl zum Beispiel. 

    Risikofaktoren für einen Schlaganfall

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    Ein Schlaganfall tritt zwar plötzlich auf. Die zugrundeliegenden Ursachen entwickeln sich jedoch teilweise über Jahre. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen: 

    • Bluthochdruck 
    • Herzkrankheiten (zum Beispiel Vorhofflimmern) 
    • Fettstoffwechselstörung 
    • Zuckerkrankheit Diabetes 
    • Übergewicht 
    • Bewegungsmangel 
    • Rauchen 
    • Schlafapnoe-Syndrom 
    • Alter 
    • Genetische Veranlagung 

    Solange Verbesserungen messbar sind, wird in der Neurorehabilitation auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktionen gesetzt. 

    Weiterführende Links

    Puls, 31.03.2025, 21:05 Uhr

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