«Wenn’s im Lexikon steht, wird’s wohl stimmen», dachte sich jemand, der mit dem Witz der Wissenschaft nicht gerechnet hat. Sogenannte Nihilartikel – also frei erfundene Einträge – sind in allen grossen Lexika zu finden.
Der Grund für die fingierten Lexikonartikel? Humor und Herausforderung. Sie wollen die Leserschaft daran erinnern, Informationen kritisch zu hinterfragen. Sie vielleicht zum Lachen bringen. Aber auf jeden Fall zum Reflektieren – über Sinn und Bedeutung.
Ein Nihilartikel ist also ein kleines Warnsignal, das uns zuflüstert: «Pass auf, glaub nicht alles!» Diesem Artikel dürfen Sie sehr wohl Glauben schenken, denn die folgenden sechs Nihilartikel gibt es – tatsächlich.
1. Geldsaugende Zecke
Die 20. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie enthält einen skurrilen Eintrag über Zecken, der mit einem humorvollen Twist endet. Unter den aufgeführten Arten findet sich auch die «ausschliesslich am Menschen saugende Gemeine Steuer-Zecke (Ixodes fiscalis)», ein besonders lästiger Blutsauger. Sie ahnen es: Er kommt jedes Jahr und schlürft die Kohle aus dem Konto.
2. Vorchristlicher Laptop
Schon mal den Rhetographen angeworfen? Nein? Das Teil beschreibt so etwas wie die Urmutter der elektronischen Notizbücher. Fast wie ein Laptop von heute, nur dass es auf einem Vasenbild aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert basiert. Fachleute sehen darin eine aufgeklappte Schreibtafel, während alle anderen einfach nur einen frühen Laptop erkennen. Bis ihnen in den Sinn kommt: In der Antike gab es weder Strom noch Online-Shopping. Zu finden ist das Gadget in der Printausgabe des Historischen Wörterbuchs der Rhetorik, 2005.
3. Antiker Fussball
Immerhin ist im sperrigen Begriff Apopudobalia das Wort Ball zu hören. Mit dieser «antiken Sportart» sollen sich die alten Griechen vergnügt haben, bevor Fussball überhaupt eine Idee war. Doch die frühen Christen hatten relativ schnell keinen Bock mehr aufs Kicken, weshalb der Sport verbannt wurde. Erst im 19. Jahrhundert entdeckten ihn die Briten wieder. Wer’s glaubt? Das Fachlexikon «Der neue Pauly».
4. Unzufriedene Philosophen
Der Unzufriedenheitssatz ist ein erfundenes philosophisches Konzept und besagt, dass Philosophinnen und Wissenschaftler nie wirklich zufrieden sind mit dem, was sie wissen. Eine never-ending Story des Denkens also. Sie betont die ständige Suche nach Wissen und die Unmöglichkeit, absolute Gewissheit zu erlangen. Eine humorvolle Idee – verewigt in der «Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie» von 2004.
5. Romantische Kurgäste
Kurschatten beschreibt eine romantische Beziehung zwischen zwei Kurgästen. Eine Art Anbandeln in den idyllischen Kulissen eines Kurorts. So ein Flirt sei «als natürliches Mittel zur Förderung des Kurerfolges schulmedizinisch anerkannt». Zu finden ist der Begriff im «Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren» (2. Auflage, Berlin 2006). Zurückzuführen ist er allerdings auf die Fantasie der Verfasser.
6. Nützliche Laus
Die Steinlaus ist wohl die berühmteste Laus, die es nicht gibt. Gezeichnet von Loriot, zu finden in der 255. Auflage der «Pschyrembel», einem medizinischen Nachschlagewerk, das 1986 erschien. Die Laus, die zur «Zahnsteinentfernung» eingesetzt werden kann und als «stimmungsaufhellender Endoparasit» beschrieben wird, ist der heute wohl bekannteste Nihilartikel.