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Südkoreanische Popkultur Pop, Profit und Politik: Koreas Kulturexport bleibt Dauerbrenner

In der Ausstellung «Hallyu – The Korean Wave» im Museum Rietberg umarmen sich Koreas Konsum und Popkultur, bis man nicht mehr weiss, wo das eine endet und das andere beginnt.

Es leuchtet, es glitzert, es dröhnt. «Oppan Gangnam Style!» Der Popsong von Psy war 2012 ein globaler Hirnwurm und für viele das erste bewusste Aufeinandertreffen mit der koreanischen Welle – Hallyu. Heute, über ein Jahrzehnt später, ist die Welle zur Flut geworden. Und sie hat das Museum erreicht.

Das Zürcher Rietberg zeigt mit der Ausstellung «Hallyu – The Korean Wave», wie sich ein kleines Land mit Popmusik, Serien und Kosmetik zur globalen Marke hochgearbeitet hat.

Fingerherzzeichen vor grünem Hintergrund.
Legende: Das Fingerherz auf dem Plakat zur Ausstellung: Pop-Geste, Exportlogo, kulturelles Siegel «Made in Korea». Museum Rietberg

«Die westlichen Medien hielten K-Pop oft für eine Modeerscheinung oder einen verrückten Zufall», sagt Rosalie Kim, die Kuratorin der Ausstellung. «Aber hier sind wir zehn, fünfzehn Jahre später, und sprechen immer noch darüber.»

Die Ausstellung: ein Zuckerschock. Grelle Farben, flimmernde Bildschirme, dröhnender K-Pop. Wer sich darauf einlässt, wird überspült. Von Haute Couture aus Seoul, Filmrequisiten von Serienhits wie «Squid Game» – und von leuchtenden Fingerherzen. Wer mag, kann K-Pop-Choreos einüben. Muss man aber nicht.

Was sich wie schrilles Entertainment anlässt, hat einen ernsten Kern. Nach der Asienkrise der 1990er-Jahre erkannte die südkoreanische Regierung, dass Emotionen sich besser verkaufen als Autos. 1993 spielte der Hollywoodfilm «Jurassic Park» weltweit mehr ein als Hyundai mit seinen Exporten in die USA. Ein Schock. Und ein Startschuss: Künftig wurde die Kreativindustrie gefördert.

Der Staat investierte in Technik, Ausbildung, Filmförderung. Konzerne wie Samsung und CJ Entertainment zogen mit. Das Ziel: Popkultur als Exportgut. Und – wie Rosalie Kim ergänzt: «Kultur kann eine zentrale Rolle in der Diplomatie spielen. Hallyu zeigt, was in Korea geschieht – und öffnet zugleich den Blick auf das grosse Ganze.»

Heute ist Hallyu ein Soft-Power-Projekt, das weltweit wirkt. K-Pop-Fans lernen Koreanisch, K-Cinema Fans reisen nach Seoul, koreanische Hautpflege dominiert die Feeds. Es ist eine sanfte kulturelle Eroberung – und eine massive Verkaufsstrategie.

Das sieht man auch im Museumsshop: Rosa und blaue Lichtröhren in Fingerherz-Form. Sheet Masks. Sticker. Lightsticks. Wer will, kann sich ein Stück Korea mit nach Hause nehmen. Oder zumindest dessen Vorstellung. Hallyu ist nicht nur Popkultur, sondern auch globaler Markt. Der Soundtrack dazu: glatt, algorithmisch optimiert, rundpoliert. Keine Ecken, kein Atem, keine Reibung. Der Soundtrack einer Generation, die nie Pause macht. Aber: Die Welt hört zu. In den Charts. In den Stadien. In dieser Ausstellung.

Die Schattenseiten werden nicht verschwiegen, aber auch nicht vertieft. Ausbeutung, Leistungsdruck, rigide Arbeitskultur: angedeutet, weitergewinkt.

Die Ausstellung schaut nach vorn, nicht zur Seite. Sie zeigt, wie klug ein Staat seine Kultur als Wirtschaftsfaktor und Imageträger nutzt. Und sie fragt unausgesprochen: Lässt sich echte Kultur noch vom Konsum trennen? Antwort: vielleicht nicht. Aber unterhaltsam ist sie trotzdem.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Hallyu! The Korean Wave» ist vom 4. April bis zum 17. August 2025 im Museum Rietberg in Zürich zu erleben.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 4.4.2025, 17:20 Uhr

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