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Weine aus Italien Hamsterkäufe von Prosecco wegen Trumps Zoll-Deadline

Die Drohung von US-Präsident Trump, auf Agrarprodukten aus Europa hohe Zölle zu erheben, hat für europäische Produzenten bis jetzt positive Auswirkungen gehabt. Zum Beispiel beim Prosecco: Die Produzenten in Venetien haben einen regelrechten Ansturm von Kunden aus den USA erlebt.

Im Januar und Februar dieses Jahres haben die Prosecco-Verkäufe um 8 Prozent zugenommen im Vergleich zur selben Periode des Vorjahres. Insgesamt wurden 2024 in den USA fast 100 Millionen Liter Prosecco verkauft, das entspricht etwa 140 Millionen Flaschen und einem Wert von 450 Millionen Franken.

Der Schaumwein aus Trivento hat damit den Champagner beim Marktanteil erstmals überholt: Sein Anteil beträgt jetzt 28 Prozent, verglichen mit 26 Prozent für die französischen Schaumweine.

Video von RSI zum «Prosecco-Fieber» in den USA (mit Untertiteln)

Doch mit dem Gespenst der Zölle droht der Prosecco das zu verlieren, wofür er bisher gestanden hat: ein demokratisches Luxusprodukt, leicht zu trinken, mit niedrigem Alkoholgehalt und vor allem erschwinglichem Preis. Treten die angedrohten 200 Prozent Zoll tatsächlich in Kraft, würde eine Flasche Prosecco statt wie heute 15 Dollar neu 45 Dollar kosten.

Sicher ist, dass selbst bei moderateren Zöllen der Prosecco Gefahr läuft, sich im Schaumweinmarkt neu positionieren zu müssen. Das hätte schwerwiegende wirtschaftliche Folgen, in erster Linie für den Lieferanten, der einen Teil der Erhöhungen abfedern müsste. Es wird geschätzt, dass bereits eine Steuer von 25 Prozent, also deutlich weniger als die angekündigten 200 Prozent, die gesamte Weinindustrie eine halbe Milliarde Dollar kosten würde.

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Stichtag 2. April

Am 2. April wird sich zeigen, ob Trump seine Drohung wahrmacht. Während dessen erster Amtszeit waren italienische Weine nicht von Zöllen betroffen. Jetzt könnte es anders sein. Das bereitet den italienischen Weinproduzenten Sorgen.

Der Prosecco ist der italienische Wein, der am meisten über den Atlantik exportiert wird. Die Produzenten befürchten, dass eine übermässige Beschleunigung der Verkäufe Marktverzerrungen verursachen könnte, selbst wenn die Zölle am Ende abgewendet würden. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als aus den USA deutliche Signale einer bevorstehenden Rezessionsphase kommen.

Echo der Zeit, 20.3.25, 18.00h

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