Nachhaltigkeit und Inklusion. Dies haben sich die Organisatoren der Olympischen Spiele in Paris auf die Fahne geschrieben. Auch Menschen mit einer Behinderung – zum Beispiel Personen im Rollstuhl – sollen vor Ort an den Wettkämpfen mitfiebern können. Dazu wurden eigens für sie Minibusse und Taxis bereitgestellt.
Für alle anderen ist der Weg zu den Wettkampfstätten nur zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr möglich. Und so strömen Besucherinnen und Besucher jeweils zu Tausenden in die Metro, die Pariser U-Bahn, laufen Treppen runter, und wieder Treppen hoch.
Von den 14 Metrolinien in Paris ist nur eine einzige für Rollstuhlfahrer zugänglich, dank eines Lifts.
Auch Charlotte Alaux fiebert an den Wettkämpfen mit ihren Landsleuten mit. Für sie jedoch ist die Metro verschlossen. Die 32-Jährige sitzt im Rollstuhl, seit sie vier Jahre alt ist. Von den 14 Metrolinien in Paris sei nur eine einzige für Rollstuhlfahrer zugänglich, erzählt Charlotte, «dank eines Lifts». Aber ist einer von denen gerade defekt, was immer wieder vorkommt, heisst es: eine Station weiter- und oberirdisch zurückfahren. Und viel Zeit verlieren.
«Alles vorausplanen zu müssen, ist ermüdend», sagt Charlotte. Denn auch in den besser zugänglichen Bussen gibt es Schwierigkeiten. «Fährt der Bus wirklich, und wann? Ist er voll? Funktioniert die Rampe? Nicht immer. Weiss der Chauffeur, wie er sie bedienen muss? Nicht immer.» Hinzu komme das Murren der anderen, weil man mit dem Rollstuhl viel Platz in Anspruch nehme.
Bleibt das Auto. Aber auch das ist in einer Grossstadt wie Paris kompliziert. «Viele Menschen im Rollstuhl isolieren sich deshalb», sagt Charlotte, «verlassen das Haus nur, wenn sie unbedingt müssen». Auf Kosten sozialer Kontakte.
Die Idee: ein Trotti, kompatibel mit jedem Rollstuhl
Sich zurückziehen, war für Charlotte aber keine Option. Vor fünf Jahren hat sie sich deshalb mit ein paar Ingenieuren zusammengetan und ein Start-up gegründet. Sie nannten es «Omni», lateinisch für «alle», und sinnbildlich dafür, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität an der Gesellschaft teilhaben sollten. Es war die Zeit, als Elektro-Trottinetts gerade die Strassen eroberten.
Ein handelsübliches E-Trottinett für den Rollstuhl. Eine einfache Lösung schien gefunden, doch die Umsetzung war anspruchsvoll. Zweieinhalb Jahre hätten sie getüftelt, erzählt Charlotte. «Denn das Trottinett sollte mit allen Rollstühlen kompatibel sein, die Konstruktion wenig Gewicht haben, und einfach zu montieren und zu bedienen sein.» Das war ihr Anspruch.
Rund 1500 solcher E-Trottinetts hat «Omni» bisher verkauft, das Stück für rund 900 Euro. Die Rückmeldungen ihrer Kundinnen und Kunden seien ermutigend, sagt Charlotte: «Ich höre oft, dass ihnen das Trottinett ein Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit gibt, und dass für sie alles plötzlich so nah und gut erreichbar ist. Das zeigt, dass wir etwas bewirken können.»
Während der Olympischen Spielen und den Paralympics vermietet Charlotte Alaux’ «Omni» die E-Trottinetts für Rollstühle, für 50 Euro pro Tag, nicht teurer als eine Velomiete. Damit Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität auch nach den Wettkämpfen spontan, ohne fremde Hilfe und möglichst hindernisfrei Paris erkunden können.