Die Klimakonferenz von Sharm El-Sheikh endet mit einem Erfolg für die Entwicklungsländer, dessen Grösse noch schwierig abzuschätzen ist, und mit grosser Enttäuschung bei allen, die auf ein starkes Signal für den Klimaschutz gehofft hatten.
Diese Klimakonferenz wird in Erinnerung bleiben als die Konferenz, an der beschlossen wurde, einen Fonds zu schaffen, aus dem in Entwicklungsländern Verluste und Schäden gedeckt werden, die der Klimawandel verursacht. Jahrzehntelang hatten sich Entwicklungsländer und Nichtregierungsorganisationen dafür starkgemacht.
Grosse Freude in Entwicklungsländern
Es sei ungerecht, argumentierten sie, dass diejenigen Länder, die die geringste Schuld am Klimawandel trifft, die aber am stärksten von den Folgen betroffen sind, alleine dafür aufkommen müssen. Nun ist der Fonds beschlossene Sache, ein Stück Klimagerechtigkeit ist geschaffen – im Grundsatz. Wie genau dieser Fonds ausgestaltet werden soll, wer profitiert und wer einbezahlt, soll erst an der kommenden Klimakonferenz in einem Jahr beschlossen werden.
Die Freude in vielen Entwicklungsländern ist gross. Ob bald Ernüchterung folgt, bleibt abzuwarten. Immerhin wartet ein anderes Versprechen der Industrieländer – nämlich dass sie die Entwicklungsländer mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich unterstützen, im Kampf gegen und bei der Anpassung an den Klimawandel – immer noch darauf, erfüllt zu werden. In dieser Frage wurden in Sharm El-Sheikh nur kleine prozedurale Schritte gemacht.
Kaum Fortschritte beim Klimaschutz
Gar mit der Lupe muss man die Fortschritte suchen beim Ausbau des Klimaschutzes. An der Klimakonferenz in Glasgow vor einem Jahr rief die Staatengemeinschaft zum Ausstieg (phase down) aus der Kohle aus. Um das sogenannte 1.5 Grad-Ziel am Leben zu erhalten, forderten Dutzende Länder – darunter die EU und die Schweiz – dass nun in Sharm El-Sheikh der Ausstieg aus Öl und Gas folgen solle.
Erdölexportierende Länder wie Russland, Iran und Saudi-Arabien haben sich dagegen aber vehement gewehrt. Gastgeber Ägypten, der selbst als Gas-Exporteur Ambitionen hat, scheint diese Verhinderungstaktik begünstigt zu haben. Entsprechend schwach fallen die Aufforderungen in der Abschlusserklärung der Klimakonferenz aus.
Enttäuschung bei Schweizer Delegation
Er sei enttäuscht, meinte der Leiter der Schweizer Verhandlungsdelegation, Franz Perrez, beim Verlassen des Saals in den frühen Morgenstunden. Das 1.5-Grad Ziel sei nun auf Messers Schneide. Auch Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz, betonte, dass das in Sharm El-Sheikh Erreichte völlig ungenügend sei angesichts des Ausmasses der Klimakrise.
Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sind eng verknüpft: So verständlich die Freude in Entwicklungsländern über den neuen Fonds für Verluste und Schäden ist, das schwache Signal beim Klimaschutz stimmt nachdenklich. Ohne ambitionierten Klimaschutz leidet auch die Klimagerechtigkeit – möglicherweise so stark, dass der geplante Fonds seiner Aufgabe nie gewachsen sein wird.