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USA und die Zölle Der Mann hinter den US-Zöllen: Peter Navarro

Als Architekt von US-Präsident Trumps Handelskrieg gilt Peter Navarro. Seine Thesen sind unkonventionell.

Was er vor gut 20 Jahren als Wirtschaftsprofessor beobachtet habe, sei eine Initialzündung gewesen, sagt Peter Navarro. Er habe bemerkt, wie seine Studierenden sich auf dem Arbeitsmarkt schwertaten. Navarro kam zum Schluss, dass China der Hauptschuldige sei.

China war 2001 der Welthandelsorganisation WTO beigetreten. Das Land vernichte seither massenhaft US-Arbeitsplätze, so Navarro. Der 75-Jährige wurde zum knallharten China-Kritiker – und zum Gegner von Freihandelsabkommen. «Ich sah das Problem kristallklar: All das führte für die USA zu unfairen Handelsbedingungen», sagte Navarro in einem Podcast der «New York Times». In der Folge seien die Handelsdefizite mit anderen Ländern in die Höhe getrieben worden, Fabriken in den USA hätten schliessen müssen.

«Tod durch China»

Der «China-Schock» wurde auch von anderen Ökonomen und Ökonominnen beschrieben: die Wirkung von chinesischen Exporten auf die US-Industrie. Aber Navarros China-Kritik ist beissend – in Büchern mit Titeln wie «Tod durch China»: China sei ein totalitäres Regime, das eine «pervertierte Art des kommunistischen Staatskapitalismus» pflege. China verstosse gegen alle Regeln des Freihandels, manipuliere die eigene Währung und dezimiere die US-Industrie.

Peter Navarro bei einer Medienkonferenz.
Legende: Peter Navarro (1949) ist Professor für Wirtschaftswissenschaften. US-Präsident Donald Trump ernannte ihn als Direktor für Handel und Industriepolitik zum Leiter eines neu geschaffenen Nationalen Handelsrats der USA. Keystone / AP Photo, Ben Curtis

Jemand, der schon lange der Meinung war, die USA würden ausgenutzt, wurde auf Peter Navarro aufmerksam: Donald Trump. Beide sind überzeugt davon, Handelsdefizite mit anderen Ländern zu verringern. «Wir werden von allen über den Tisch gezogen», sagt Navarro, der auf den Zweiten Weltkrieg verweist. Damals hätten die USA mit ihrer Rüstungsindustrie den Krieg gewonnen. Doch die USA könnten nicht mehr das «Arsenal für die Demokratie» sein, wenn die Industrie ins Ausland abwandere, weil die USA in Sachen Handel betrogen werde.

Unbedingte Treue zu Trump

Zölle sieht Peter Navarro als Mittel, um die traditionelle US-Industrie wiederzubeleben. In Fachkreisen mag er ein Aussenseiter sein, Trump aber holte ihn als Handelsberater ins Weisse Haus. Aus dem Demokraten wurde ein Trump-Anhänger. Navarro gilt als treibende Kraft hinter dem Handelsstreit mit China.

Und Navarro kehrte im Januar ins Weisse Haus zurück. Wohl auch, weil er Trump seine Loyalität bewiesen hatte: Navarro trug die Lüge der gestohlenen Wahl von 2020 mit – und war aktiv am Versuch beteiligt, Trump im Amt zu halten. Er widersetzte sich einer Vorladung der Kommission, die den Sturm aufs Kapitol untersuchte. Dafür ging er vier Monate lang ins Gefängnis. Als er im letzten Jahr am Parteitag der Republikaner auftrat, wurde er bejubelt, als er erklärte, er komme direkt aus einem Bundesgefängnis.

Wette mit hohem Einsatz

In der zweiten Trump-Amtszeit scheinen sich Navarros Handelstheorien vollends durchzusetzen: Einfuhrzölle, nicht nur gegen China, sondern selbst gegen enge Verbündete, werden eingeführt. Gegenüber Fox News prophezeite er, ausländische Unternehmen würden einen Grossteil der Zölle auf sich nehmen: «Das müssen sie tun. Ausländische Unternehmen müssen im grössten Markt der Welt verkaufen. Sie werden ihre Preise senken.»

Die Meinung der meisten Ökonomen scheint eine andere zu sein: US-Konsumentinnen und Konsumenten würden breit angelegte Einfuhrzölle berappen. Auch geht die Sorge um, der Handelsstreit könnte in eine Rezession führen. Die Theorie des Peter Navarro ist also sehr gewagt. Präsident Trump scheint aber gewillt zu sein, darauf zu wetten – mit sehr hohem Einsatz.

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Echo der Zeit, 2.4.2025, 18:00 Uhr

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