Zum Inhalt springen

Auto-Lobbyistin im Interview «Die US-Zölle werden die Autos verteuern»

Die deutsche Autoindustrie ist seit Längerem in der Krise – und jetzt plant US-Präsident Donald Trump, 25 Prozent Zoll auf importierte Autos einzuführen. Das dürfte die europäischen Autobauer, vor allem jene Deutschlands, hart treffen. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie, spricht von einem schwarzen Tag für die Wirtschaft.

Hildegard Müller

Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Hildegard Müller ist Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie. Die ehemalige CDU-Politikerin war Staatsministerin und eine der engsten Vertrauten von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel.

SRF News: Wie fatal ist es für die deutsche Automobilindustrie, wenn 25 Prozent Zölle erhoben werden?

Hildegard Müller: Das ist ein massiver Rückschlag für den regelbasierten, fairen Welthandel – jener Handel, der weltweit Wachstum und Wohlstand ermöglicht. Auch zahlreiche hochwertige Autozulieferer in der Schweiz wären betroffen. Zölle führen meist zu Gegenzöllen – und am Ende zahlt der Verbraucher mit höheren Preisen.

Voraussichtlich noch im April wird die EU über Gegenmassnahmen beraten. Was fordern Sie von der EU in den Verhandlungen mit den USA?

Ich bitte um Verständnis, dass wir diese Gespräche zunächst mit der EU-Kommission führen. Es bringt nichts, dies jetzt über die Medien auszutragen. Wir müssen das direkte Gespräch mit den USA suchen. Natürlich haben wir dort klare Standpunkte, die wir vertreten werden. Ich will robuste Massnahmen nicht ausschliessen – aber ich muss mich an dieser Stelle noch etwas zurückhalten.

Am Ende werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen.

Eine Folge der Zölle könnte sein, dass die höheren Kosten an die Kunden weitergegeben werden.

Richtig. Am Ende werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen. Das treibt die Inflation weiter an. Und das ist bemerkenswert, denn Donald Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die Preise zu senken. Die Inflationsrate in den USA ist ohnehin bereits hoch – und die Verbraucher sind jetzt schon stark belastet. Ausserdem betrifft seine Zollpolitik nicht nur den Autosektor, sondern auch andere Branchen.

Die Zeit zwischen Ankündigung und Inkrafttreten der Zölle ist extrem kurz – das sorgt für grosse Verunsicherung.

Ab morgen sollen die neuen Autozölle gelten. Gibt es noch rechtliche Unsicherheiten?

Ja, durchaus. Die Zölle betreffen offenbar auch einzelne Zulieferteile, ohne dass bisher klar geregelt ist, welche genau. Das betrifft also nicht nur fertige Fahrzeuge, sondern auch Komponenten. Welche Teile genau betroffen sind, ist völlig unklar. Diese fehlende Differenzierung erschwert die Planung erheblich. Die Zeit zwischen Ankündigung und Inkrafttreten ist extrem kurz – das sorgt für grosse Verunsicherung.

Deutsche Industrie – zwischen Innovation und Unsicherheit

Box aufklappen Box zuklappen
Zwei Männer an der Messe mit kanadischer und deutscher Landesflagge.
Legende: zvg

Die deutsche Wirtschaft ist in der Krise – nicht nur die Autoindustrie. Wie angespannt die Lage ist, zeigt ein Augenschein an der Hannover Messe. Sie gilt als eine der grössten Industriemessen der Welt. 4000 Unternehmen zeigen, was sie können und vernetzen sich. Die Auftragslage sei schwierig, man hoffe, dass sich die Situation bald bessere, so der Tenor in Hannover. Dabei schwebt das Damoklesschwert der unberechenbaren US-Administration von Trump über allem. Hören Sie den Radiobeitrag aus dem «Rendez-vous» von Simone Fatzer.

Die deutsche Autoindustrie leidet schon jetzt unter schwacher Konjunktur und geringer Nachfrage. Was bedeutet die neue Zollsituation für die Branche?

Die Unternehmen versuchen, sich bestmöglich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen. Allein die deutsche Autoindustrie investiert in den nächsten vier Jahren rund 320 Milliarden Euro in Forschung, Innovation und neue Technologien. Aber wir sprechen hier nicht nur über eine Autokrise – es ist eine Standortkrise. Energiekosten, Bürokratie, Steuern, Arbeitskosten – all das belastet den Industriestandort Deutschland zunehmend. Andere Weltregionen sind da deutlich wettbewerbsfähiger. Das müssen wir sehr ernst nehmen.

Das Gespräch führte David Karasek. 

Diskutieren Sie mit:

Tagesgespräch, 2.4.2025, 13 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel