In Basel beginnt heute das neue Schuljahr. Und auch diesmal hat Basel die höchste Gymnasialquote aller Deutschschweizer Kantone. Über 37 Prozent aller Sekundarschülerinnen und -schüler wechseln auf das neue Schuljahr ans Gymnasium.
Der Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer kämpft seit drei Jahren gegen die hohe Übertrittsquote, zum Beispiel mit einer strengeren Benotung in der Sekundarschule. Zwei Jahre lang zeigte dies Wirkung, doch nun steigt die Quote wieder. Und das mache ihm Sorgen, sagt der Bildungsdirektor. Das bedeute, dass wieder zu viele Jugendliche in einer Ausbildung sind, die sie tendenziell überfordere und die damit zu Frustrationserlebnissen führe.
Heisses Eisen für die Basler Politik
Als Reaktion auf diese Entwicklung versuchen die Schulen nun, die Attraktivität der Berufslehre zu betonen. Höhere Hürden fürs Gymnasium einzuführen, kämen in Basel eher nicht infrage, sagt der liberale Erziehungsdirektor Cramer. Eine solche Verhärtung der Selektion würde keine politische Mehrheit finden, ist er nach seinen fünf Jahren im Amt überzeugt.
Denn linke Bildungspolitiker wie der Basler SP-Nationalrat Mustafa Atici wehren sich gegen mehr Leistungsdruck. Sie befürchten, dass sozial Schwächere benachteiligt würden, dass sie sich zum Beispiel keinen Nachhilfeunterricht leisten könnten. Die Eltern, die diesen Unterricht bezahlen könnten, könnten es sich leisten, dass ihre Kinder weiterkommen. Die Eltern, die sich das nicht leisten könnten, deren Kinder würden nicht weiterkommen. Das sei auch ein Verstoss gegen die Verfassung. Alle müssten die gleichen Chancen haben.
Diskussion um Übertrittsprüfung
Atici wehrt sich aus denselben Gründen gegen Übertrittsprüfungen ans Gymnasium, wie sie zum Beispiel Zürich kennt. Bildungsforscher Stefan Wolter allerdings sagt, ohne Prüfungen würden entgegen der Erwartung nicht etwa sozial Schwächere begünstigt, sondern Akademikerkinder.
Die Forschung zeige, dass es dort, wo keine externen Prüfungen angewandt werden, eine überdurchschnittlich hohe Zahl von jugendlichen Akademikerkindern ins Gymnasium schaffe, die leistungsmässig nicht ans Gymnasium gehören dürften. Das würde für die Einführung von Übertrittsprüfungen sprechen – doch dafür ist in Basel keine politische Mehrheit in Sicht.