Seit 1924 spielt der FC Aarau im Brügglifeld. Das Stadion ist alt und klein. 8000 Fans haben Platz, vor allem stehend. «Das Besondere ist, dass es so eng ist. Du spürst die Leute, wenn du auf dem Feld bist», schwärmt Fussballer Bastien Conus. Geschäftsführer Sandro Burki allerdings weist auf die Tücken des legendären Stadions hin.
Es steht mitten in einem Wohnquartier. Aktuell spiele der FC Aarau zwar in der Challenge League, da seien die Probleme nicht so gravierend. «Aber wenn 1000 Zürcher oder Basler Fans kommen und durchs Quartier ziehen, hat man schon mehr Aufwand», betont Burki. Erst kürzlich kam es am Rande des Derbys zwischen Aarau und Baden zu Ausschreitungen.
-
Bild 1 von 7. Blick von der Tribüne im Brügglifeld auf den Rasen (Februar 2011). Das Stadion bietet eine Nähe, wie sie in modernen Stadien kaum erlebbar ist. Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
-
Bild 2 von 7. Impressionen des EM-Qualifikationsspiels zwischen der Schweiz und der Türkei im März 2012. Die Nähe zum Wohnquartier wird hier klar ersichtlich. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
-
Bild 3 von 7. Februar 2013: Der schneebedeckte Rasen im Brügglifeld in Aarau. Nur ein kleiner Teil der Plätze ist überdacht. Bildquelle: Keystone/Urs Flueeler.
-
Bild 4 von 7. Freudiger Moment im Juni 1993: Trainer Rolf Fringer (links) und Präsident Ernst Lämmli freuen sich auf dem Brügglifeld über den gewonnenen Meistertitel des FC Aarau. Im letzten Saisonspiel der NLA spielte der FCA 1:1 gegen Servette-Genf und wurde Schweizermeister. Bildquelle: Keystone/Michael Kupferschmidt.
-
Bild 5 von 7. Die eher schwierigen Momente: Bewacht von Polizeigrenadieren treffen die Fans des FC St. Gallen zum Spiel gegen den FC Aarau auf dem Brügglifeld ein. Der Weg führt mitten durch ein Wohnquartier (November 2009). Bildquelle: Keystone/Sigi Tischler.
-
Bild 6 von 7. Vor allem in der Super-League-Zeit des FC Aarau gab es viele Polizeieinsätze. Hier werden im April 2015 Fans des FC Zürich auf ihrem Weg zum Stadion von Polizisten eingekesselt und durchsucht. Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
-
Bild 7 von 7. Immer wieder müssen im Brügglifeld quasi «Notmassnahmen» umgesetzt werden, weil das Stadion nicht den Vorschriften entspricht. Im Bild: Umbauten der Presse im Sommer 2013. Bildquelle: Keystone/Sigi Tischler.
Die Polizei musste Fangruppen auseinanderhalten, setzte Gummischrot ein. Nicht gerade das, was man sich in unter einer ruhigen Wohngegend vorstellt. Zudem nervt sich die Nachbarschaft über Fans, die in den Gärten Bierdosen entsorgen oder urinieren.
Auch das neue Stadion sorgt für Widerstand
Der FC Aarau sucht seit Jahrzehnten nach einer Alternative. Seit rund 20 Jahren ist ein neues Fussballstadion in einem ehemaligen Industriequartier nahe den Bahngleisen in Planung. Aktuell liegt ein riesiges Gebiet brach und ist eingezäunt.
Ein erstes Projekt sah an diesem Ort ein Stadion mit Einkaufszentrum vor. Es wurde über Jahre verzögert, landete mehrfach vor Bundesgericht. Dann entschied die Bauherrin HRS, dass sie eine andere Finanzierung brauche. Seit 2017 sind deshalb neben dem Stadion hohe Wohntürme geplant. Auch dieses Projekt wurde bis vor Bundesgericht bekämpft.
Im nächsten Jahr könnte ein konkretes Baugesuch aufliegen, erwartet der Aarauer Stadtbaumeister Jan Hlavica. Er rechnet mit Einsprachen: «Wir sind hier an einer exponierten Lage, entsprechend bringen sich mehr Leute ein. Wäre es irgendwo am Stadtrand, wäre es wohl einfacher.»
Anwohnerinnen und Anwohner bestätigen dies gegenüber SRF. «Es gibt Leute, die Angst haben, vor allem wegen der Wohntürme», sagt einer. «Was uns persönlich stört, ist nicht das Stadion, sondern die Wohntürme», sagt eine andere.
Der Fall scheint klar: Wie das Brügglifeld liegt auch das neue Fussballstadion nahe an bewohntem Gebiet und sorgt für Widerstand. Stadtbaumeister Jan Hlavica rechnet damit, dass es bis zum Baustart noch mehrere Jahre dauert.
Hardturm Zürich: Auch hier wehrt sich die Nachbarschaft
Eine ganz ähnliche Situation erlebt die Stadt Zürich. Das geplante Hardturm-Stadion ist seit Jahren juristisch blockiert. Anwohnerinnen und Anwohner wehren sich, obwohl das Stimmvolk dem Projekt schon mehrfach seinen Segen gegeben hat.
Im besten Fall könnte die Baubewilligung in den nächsten ein bis zwei Jahren vorliegen, gibt sich die Bauherrin HRS optimistisch. Natürlich sind aber auch hier weitere Einsprachen möglich.
Nora Eichkorn vom städtischen Hochbaudepartement sieht ähnliche Schwierigkeiten wie in Aarau. «Es ist ein historischer Standort, es hat viel Nachbarschaft, die direkt betroffen ist.» Unter solchen Umständen löse ein Grossprojekt immer Widerstand aus.
In Zürich weiss man auch, dass es einfacher gehen kann: Das neue Eishockey-Stadion der ZSC Lions wurde in relativ kurzer Zeit geplant und gebaut. Es steht aber am Stadtrand, in einem Industriequartier in Altstetten.