Der Mann habe den Nashornbullen «Puri» angreifen wollen. Er sei in einer «schwierigen Lebenssituation» gewesen und deshalb ins Gehege eingebrochen, so die zuständigen Behörden. Ein Tierpfleger holte den verwirrten Mann aus dem Gehege und verständigte die Polizei. Weder Mann noch Nashorn kamen beim Zwischenfall zu Schaden.
Glück gehabt! Denn: Letztes Jahr spiesste das Nashorn «Puri» ein Pustelschwein auf und brachte es so um – die Schweine wohnen im gleichen Gehege wie die Nashörner.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Mensch unerlaubt das Nashorngehege betritt. 1990 wollte eine Besucherin ein Baby-Nashorn streicheln – die Nashornmutter verteidigte ihr Baby und verletzte die Frau tödlich.
Es gibt keinen Ort im Zoo, wo man einfach in ein Gehege einsteigen kann.
Oder im Jahr 2008: Damals fiel ein zehnjähriger Junge ins Wolfsgehege und wurde von einer Wölfin gebissen. Im selben Jahr büxte auch noch ein junger Gepard aus dem Gehege aus – er wollte eine Ente jagen. Für die Zoobesucherinnen und -Besucher habe keine Gefahr bestanden, sagte die Zoosprecherin damals.
Bei den Gehegen unterscheidet der Zoo zwischen «gefährlichen» und «ungefährlichen Tieren». Die ungefährlichen Tiere bekommen eine einfache Abschrankung, erklärt Pagan.
Bei den gefährlichen Tieren habe es hingegen zuerst eine Drahtseilschranke, dann eine Rabatte oder einen Wassergraben und dann nochmals ein Gitter. «Es gibt keinen Ort im Zoo, wo man einfach in ein Gehege einsteigen kann», sagt Olivier Pagan.
Im Zoo ist alles auf die Unterhaltung des Publikums ausgelegt – das ist verwerflich.
Anders sieht das der Tierschützer Olivier Bieli. Er findet, die Tiere seien nicht ausreichend vor den Zoobesuchenden geschützt. Er fordert höhere Zäune und mehr Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere.
Im heutigen Zustand sei der Zoo nur auf «die Unterhaltung des Publikums ausgelegt und das ist verwerflich», so Bieli.
Davon will der Zoodirektor nichts wissen. Die Tiere seien sicher und höhere Zäune kein abschliessender Schutz für die Tiere. «Wenn jemand unbedingt in eine Anlage will, dann ist es unsere Aufgabe, diese Person dort wieder zu entfernen», sagt Olivier Pagan. «Wenn wir Alcatraz- oder Guantanamo-artige Anlagen haben, dann kriegen wir diese Person dort fast nicht mehr heraus», so Pagan weiter.
Doch Pagan gibt zu, dass es Besucherinnen und Besucher gibt, die Tiere stören. Es gäbe beispielsweise Besuchende, die die Tiere füttern, mit Regenschirmen stupsen oder sogar bespucken würden.
Nach dem aktuellen Vorfall würde der Zoo seine Sicherheitsmassnahmen nochmals überprüfen. Die Analyse laufe jetzt, das Fazit werde folgen, sagt der Zoodirektor.