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Heinrich Haller zu seinen Erlebnissen mit den Kolkraben
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 05.09.2022. Bild: zvg/Haupt Verlag AG
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Früherer Nationalparkdirektor Heinrich Haller – Der mit den Raben spricht

23 Jahre lang war Heinrich Haller Direktor des Schweizerischen Nationalparks. Seit 2019 ist er pensioniert. Seiner ehemaligen Wirkungsstätte hat er aber nie den Rücken gekehrt, im Gegenteil. Es zog ihn immer wieder in den Nationalpark, vor allem zu den Kolkraben.

Seit sieben Jahren beobachtet er die Tiere intensiv. Nun hat er ein Buch über sie geschrieben, eine Sammlung aus persönlichen Erlebnissen, wissenschaftlichen Texten und eindrücklichen Bildern.

Eine Art Freundschaft

Besonders angetan hat es ihm ein Kolkrabenpaar, Rabea und Corvun. Immer wieder hat er sie besucht, enstanden ist eine persönliche Beziehung, eine Art Freundschaft. Kennengelernt hat er sie auf einer häufig begangenen Wanderroute. «Corvun und Rabea waren weniger scheu als andere Kolkraben und suchten oft nach Proviantresten von Touristinnen und Touristen», sagt Heinrich Haller.

Das Rabenpaar Rabea und Corvun.
Legende: Heinrich Haller

Auch Haller selbst war immer wieder da, manchmal brachte er dem Rabenpaar auch etwas zu Essen. Und er trug immer wieder dieselbe Kleidung. Die Fluchtdistanz sei stetig weniger geworden, manchmal konnte sich Haller dem Rabenpaar bis auf zehn Meter nähern.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Wildtiere über Jahrhunderte vom Menschen gejagt wurden. Mit der Zeit haben die Vögel ihn sogar in anderer Kleidung erkannt – ein Indiz für Ihre Cleverness. Kolkraben wird eine ähnliche Intelligenz zugeschrieben wie Menschenaffen.

Ein Kolkrabe setzt zur Landung an.
Legende: Heinrich Haller

Rabea und Corvun boten Heinrich Haller nicht nur unzählige Gelegenheiten, um Kolkraben zu fotografieren und ihr Leben in Bildern festzuhalten. Er konnte auch ihr Verhalten studieren.

Wilderer verraten

So zeigt sich ihre Intelligenz etwa im Umgang mit Nahrung. Haben sie zu viel Nahrung, verstecken sie diese für schlechtere Zeiten in Vorratsdepots. Diese werden allerdings oft geplündert, auch von den eigenen Artgenossen. «Um dies zu verhindern, entwickeln sie ganz unterschiedliche Strategien», erklärt Haller. Ein Beweis für ihre Cleverness.

Kolkraben fliegen in der Luft.
Legende: Heinrich Haller

Mehrere Male zeigten die Kolkraben Heinrich Haller auch die Überreste von Wildererbeute an. «Kolkraben sind Aasvögel, die vor allem Kadaver von toten Tieren fressen», sagt Haller. Wilderer würden ihre Beute nicht immer voll «nutzen» und die Kolkraben entdeckten die Überreste. Verstehe man ihr Verhalten, führten sie einen direkt zur Stelle, an der gewildert wurde. Vereinzelt konnten Wilderer sogar geschnappt werden.

Ein Kolkrabe schaut direkt in die Kamera.
Legende: Heinrich Haller

Heinrich Haller ging es bei seinem Buchprojekt auch darum, Vorurteile auszuräumen. Aufgrund ihres schwarzen Gefieders, aber auch ihrer Intelligenz und weil sie Aas fressen, waren Kolkraben schon früh Gegenstand von Erzählungen, Sagen und Mythen. Oft wurden sie als diebisch beschrieben oder galten als Unglücksboten oder gar als Totenvögel. Man sah in ihnen aber auch Gefährten von Göttern, Magiern oder Hexen.

Haller stiess bei seinen Beobachtungen aber vor allem auf Eigenschaften, die auch den Menschen ausmachen. Kolkraben seien extrem anpassungsfähig, Allesfresser, hätten ein hoch entwickeltes Sozialverhalten und verständigten sich durch vielfältige Laute. Diese Parallelität zum Menschen habe schliesslich auch eine philosophische Komponente – und Auswirkungen auf unser eigenes Selbstbild.

Regionaljournal Graubünden, 05.09.2022, 17:30 Uhr ; 

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