«Wir müssen jetzt handeln», sagte der oberste Schweizer Bauer, der St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter, an einer Medienkonferenz zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft. Der Klimawandel sei längst auf den Bauernhöfen angekommen, warnte der Präsident des Bauernverbands auf einem Betrieb im bernischen Moosseedorf.
Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht gänzlich austreiben können.
Nun müssten Bauern aktiv etwas fürs Klima tun. Beispielsweise wolle der Bauernverband künftig vermehrt Systeme fördern, die Felder ressourcenschonender bewässern. Ganz CO2-neutral zu arbeiten, sei für Landwirtschaftsbetriebe aber schwierig: «Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht gänzlich austreiben können.»
Interessiert an einer besseren Klimabilanz sei die Landwirtschaft trotzdem, sagte Ritter. Sie selbst sei von den Folgen der Klimaveränderung mit zunehmend extremen Wettereignissen wie Frost, Hagel, Stürmen, langen Phasen mit und ohne Regen und Sommertrockenheit besonders stark betroffen. Der vergangene Hitzesommer habe dies exemplarisch gezeigt.
Der Bauernverband zeichnete ein «eher düsteres Bild», bilanziert SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg: «Die Bauern waren stark betroffen von Trockenheit im letzten Jahr. Vor allem diejenigen, die Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Getreide anbauen, auch Heu wurde Mangelware.» Zumal nur ein Viertel der Bauern über die Infrastruktur zur Bewässerung verfüge.
Zwar überwiegen die negativen Folgen des wärmeren Klimas langfristig für den Bauernverband. Es gibt aber auch positive Aspekte: «Die Toskana ist ein wunderbares Landwirtschaftsgebiet – und wir sind auf dem Weg dahin», sagt von Burg.
Wärmeres Klima bietet Chancen
Dank der Klimaerwärmung könnten nun Aprikosen, Feigen, Hirse oder Soja an Lagen angebaut werden, wo dies früher nicht möglich war; und auch die Weine würden dank längerer Wachstumsphase besser, so der Wissenschaftsredaktor: «All das nützt der Landwirtschaft auch. Relativ viele Bauern beginnen nun, zu experimentieren.»
Insgesamt gab sich Bauenverbandspräsident Ritter aber alarmiert: «Wo führt das noch hin? Vor allem die Geschwindigkeit des Klimawandels bereitet mir Sorgen. Wenn es so weitergeht, könnte es noch sehr warm und trocken werden.» Die Bauern schienen sich ernsthafte Sorgen zu machen wegen des Klimawandels, schliesst von Burg.
Die Landwirtschaft leidet allerdings nicht nur unter dem Klimawandel, sie verursacht ihn auch mit. Verantwortlich dafür sind insbesondere die Rinder, die viel Methan ausstossen. Das Klimagas ist viel potenter als CO2.
Welche Rezepte gibt es?
Dazu kommt der Treibstoff, der für die Gewächshäuser und die Traktoren benötigt wird: «Gut 13 Prozent der in der Schweiz produzierten Treibhausgase stammen aus Landwirtschaft. Zählt man die importierten Lebensmittel dazu, ist es doppelt so viel», so von Burg.
Eine Abkehr von Hochleistungskühen, die ohne importiertes Futter auskommen, könnte eine klimaverträgliche Landwirtschaft vorantreiben, ebenso die gemeinsame Nutzung von Landmaschinen: «Denn keine Landwirtschaft ist so stark motorisiert wie die in der Schweiz.»
Doch auch die Konsumenten könnten helfen, die Bilanz zu verbessern. Etwa mit massvollem Fleischkonsum und weniger Foodwaste.