Wenn tanzende Gestalten über Altstadtmauern huschen, bunte Sterne Kirchen zieren oder über dem See ein Matterhorn-Hologramm erscheint, ja dann ist sie wieder da: die Zeit der Lichtfestivals.
Fast zwei Dutzend solcher Spektakel gibt es mittlerweile in der Schweiz. Zu den «ältesten» gehört das Lichtfestival in Murten (FR), das aktuell läuft.
2016 hat das mittelalterliche Städtchen erstmals Gebäude, Strassen und Altstadttürme künstlerisch inszeniert. Seither sind in der Schweiz verschiedene kleinere und grössere Lichtfestivals dazugekommen.
Grosses Vorbild ist Lyon
Erfunden hat Murten das Lichtfestival jedoch nicht. Vielmehr liess sich das Städtchen von der Fête des Lumières in Lyon inspirieren, dem ältesten und bekanntesten Lichtfestival der Welt. «Lyon war unser Vorbild», sagt Simon Neuhaus von der Festivalleitung, «aber wir wollten das Konzept nicht eins zu eins kopieren».
Mittlerweile ist Murten selbst ein Vorbild – für andere Schweizer Städte. «Jedes Jahr besuchen uns neue Delegationen und prüfen, ob ein solcher Anlass auch für sie interessant wäre», sagt Neuhaus.
Bei diesen Gesprächen gehe es oft um ganz praktische Fragen, etwa: Was braucht ein Lichtfestival für ein kulinarisches Angebot? Oder: Wie verhindert man lange Warteschlangen?
«Ein Austausch kann letztlich auch in einer Koproduktion münden», sagt Simon Neuhaus. Und wer zusammenarbeite, könne im besten Fall auch Kosten sparen.
Luzern hat das grösste Publikum
Es ist denn auch dieser Austausch, der dafür sorgt, dass sich die einzelnen Lichtfestivals nicht als Konkurrenz wahrnehmen.
Jedes zusätzliche Lichtfestival schafft einen Mehrwert für die anderen.
Das bestätigt neben dem Murtener Simon Neuhaus auch Thomas Fritschi vom Lichtfestival Luzern, welches gleichzeitig wie jenes in Murten stattfindet: «Jedes zusätzliche Lichtfestival schafft einen Mehrwert für die anderen.» Die Luzerner Version fand erstmals 2019 statt und ist heute mit über 100'000 Besucherinnen und Besuchern das grösste Lichtfestival der Schweiz.
Einander Dinge eins zu eins abzukupfern, sei gar nicht möglich, sagt Fritschi: «Jede Stadt hat ihre eigenen Voraussetzungen.» Aber auch er betont, dass eine Zusammenarbeit, wann immer möglich, sinnvoll sei. So habe Luzern beispielsweise auch schon eine Installation an Murten weitergegeben.
Der Tenor unter den Schweizer Lichtfestivals lautet also: Inspiration statt Konkurrenz. Oder zugespitzt gesagt: je mehr, desto besser. Simon Neuhaus aus Murten jedenfalls träumt von einer Dynamik wie bei den sommerlichen Musikfestivals: «Von denen gib es ja auch unzählige in der ganzen Schweiz und sie kommen gut aneinander vorbei.»