Bier, Chrüseliwasser oder Eistee: Seit einem Jahr werden Getränke an Heimspielen des Berner Fussballclubs Young Boys in Holzbechern ausgeschenkt. Holzbecher, die nach Gebrauch im Stadion separat gesammelt und zu Spanplatten weiterverarbeitet werden und danach ein zweites Leben als Möbel bekommen. Eigentlich.
Nun ist klar: Aus den Holzbechern werden keine Spanplatten gemacht.
Als «Weltneuheit» angepriesen
Rückblick: Die Umstellung von Plastik auf Holz war von Anfang an schwierig. Eine erste Testphase im Sommer 2023 wurde zum Debakel. Die Fussballfans verschmähten den neuen Becher, von «Leimholz-Bier» war die Rede. YB brach das Pilotprojekt nach nur einem Heimspiel ab.
Nach einer Phase des Tüftelns und Testens wurde der Plastikbecher im Frühjahr 2024 definitiv ersetzt – und zwar durch den nachhaltigen Holzbecher von Arboloom. Das Start-up aus Brügg BE plante, seine Becher nach Gebrauch von der Firma Swiss Krono aus Menznau LU zu Spanplatten verarbeiten zu lassen. YB sprach damals von einer «Weltneuheit».
Becher zu dreckig für Recycling
Aber der Plan ging nicht auf. Die Firma Swiss Krono konnte die Becher nicht weiterverarbeiten. Der Grund: Restbier, Zigarettenstummel und Kaugummis. «Wir haben mehrere Testläufe unternommen und hatten dabei mit Verunreinigungen zu kämpfen», erklärt Roman Bühler, Leiter Holzeinkauf von Swiss Krono.
Wir konnten aus den Bechern keine qualitativen Platten herstellen.
Die Firma könne die Becher nicht selbst sortieren und einzeln reinigen. Das habe man auch so an den Becherhersteller Arboloom gemeldet. Die gebrauchten Becher aus dem Wankdorfstadion seien den Anforderungen an Recyclingholz nicht gerecht geworden. «Daraus hätten wir keine qualitativen Platten herstellen können», sagt Bühler.
Natalia Röthlisberger, CEO von Arboloom, betont, man habe von Anfang an verschiedene Verwertungswege für die Becher geprüft. «Die Idee, daraus Holzspanplatten herzustellen, war eine von mehreren Optionen», erklärt sie und fügt an: «Im Laufe der Evaluierung stellten wir fest, dass thermisches Recycling eine effizientere Lösung ist.» Heisst: Es ist ökologisch sinnvoller, die Holzbecher zu verbrennen, anstatt sie zu reinigen und dann zu recyclen.
Mangelhafte Kommunikation
Brisant an der ganzen Geschichte: YB wusste bis vor einigen Wochen nichts von diesen Ergebnissen und liess die Stadionbesucherinnen und -besucher ein Jahr lang im Glauben, ihre Becher würden zu Spanplatten weiterverarbeitet. «In der Kommunikation mit Arboloom ist einiges schiefgelaufen, das wollen wir jetzt aufarbeiten», sagt YB-Mediensprecher Stefan Stauffiger.
Bezüglich Kommunikation sieht Arboloom-CEO Natalia Röthlisberger tatsächlich noch Luft nach oben: «Wir haben unsere Partner etwas später informiert als gewünscht und können uns kommunikativ noch verbessern.»
Die Holzbecher werden künftig für die Fernwärmeproduktion genutzt.
Für YB-Sprecher Stefan Stauffiger ist dennoch klar: «Das Holzbecher-Projekt ist nicht gescheitert.» Im Gegenteil: «Die Holzbecher werden künftig für die Fernwärmeproduktion genutzt – diese Lösung ist noch nachhaltiger als Recycling.» Allerdings könne er verstehen, wenn sich YB-Fans über die späte Kommunikation aufregten.
Denn wie sagt ein Sprichwort: Niemand ist gerne auf dem Holzweg.