Die Affenpocken verbreiten sich aktuell vor allem unter Männern, die mit Männern Sex haben. Unter diesen sei die Angst gross, sagt Roman Heggli, Geschäftsführer von Pink Cross, dem Dachverband schwuler und bisexueller Männer: «Uns ist vor allem wichtig, dass der Bund es als Priorität anerkennt: Es gibt ein Problem mit den Affenpocken, das jetzt sofort angegangen werden muss.»
Genau um das gehe es bei ihrem Ruf nach der sogenannten «besonderen Lage». An erster Stelle steht die Forderung nach einer Impfung. Dies unterstützt Marcel Stöckle. Der Infektiologe leitet die HIV-Sprechstunde am Universitätsspital Basel. «Es kann nicht mehr davon die Rede sein, dass es sich um eine harmlose Erkrankung handelt.»
Schweiz soll schnell Impfstoff beschaffen
Deswegen habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen. Unterdessen seien in Spanien zwei junge Männer ohne Vorerkrankungen an den Affenpocken gestorben, so Infektiologe Stöckle.
Deswegen müsse sich die Schweiz dringend um einen Impfstoff bemühen: «Nicht für die allgemeine Bevölkerung, aber für die Personengruppe, die ein erhöhtes Risiko hat, sich mit Affenpocken anzustecken.» Zudem brauche es Impfstoff für diejenigen Personen, die die medizinische Betreuung von Erkrankten oder Verdachtsfällen gewährleisteten.
Der Frust bei homo- und bisexuellen Männern nehme zu, sagt Roman Heggli von Pink Cross. In den umliegenden Ländern könne man sich impfen lassen, nur in der Schweiz nicht. «Ich habe schon von verschiedenen Personen gehört, die etwa nach Deutschland gefahren sind, um sich impfen zu lassen.» Doch auch in der EU sei es schwierig, sich gegen Affenpocken impfen zu lassen. «Der Impfstoff ist knapp – es wurde zu wenig bestellt.»
Nachfrage übersteigt Angebot
Das bestätigt auch der Infektiologe Stöckle. Das Problem: Die Nachfrage ist grösser als das Angebot des dänisch-deutschen Herstellers. Eine Herausforderung für das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieses nimmt auf die Forderung von Pink Cross nur schriftlich Stellung:
Wie in seiner Stellungnahme (siehe Kasten) äussere sich der Bund schon eine Weile, kritisiert Pink-Cross-Geschäftsführer Heggli: «In den letzten drei Monaten ist sehr wenig geschehen und es gab kaum Fortschritte, während die Länder um uns herum längst am Impfen sind.»
Daher sei es nötig, dass der Bund die besondere Lage ausrufe, um möglichst schnell einen Impfstoff zu beschaffen. Darauf reagiert das BAG mit der Aussage, die besondere Lage habe auf die Beschaffung des Impfstoffes keinen Einfluss. Pink Cross möchte mit dem Appell für die besondere Lage wohl vor allem Druck aufsetzen, dass es in der Beschaffung des Impfstoffes vorwärtsgeht.