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Stopp von USAID-Hilfsgeldern Schweizer Wissenstransfer in den globalen Süden gefährdet

Ohne Geld der USAID sind nicht nur Kranke im Globalen Süden in Gefahr, sondern auch der Wissenstransfer aus der Schweiz.

Die Wissenschaft aus dem Baselbiet hilft, Leben in ärmeren Ländern zu retten. Das Schweizerische Tropeninstitut Swiss TPH mit Sitz in Allschwil BL führt nicht nur Projekte in Ländern des Globalen Südens durch, sondern bildet auch spezialisierte Fachleute zu Gesundheitsthemen aus.

Gesundheitsminister studierte in Allschwil

Manche davon nehmen nach dem Studium wichtige Rollen in der Heimat ein. Zum Beispiel haben der Gesundheitsminister von Ruanda oder Vize-Minister von Laos und Kambodscha am Swiss TPH studiert.

Gesundheitszentrum Ifakara in Tansania
Legende: Mit dem Gesundheitszentrum Ifakara in Tansania arbeitet das Swiss TPH schon seit 70 Jahren zusammen. ZVG/Olivier Brandenberg, Swiss TPH

Dass die Trump-Regierung nun der amerikanischen Behörde USAID den Geldhahn zudreht, bedroht neben konkreten Projekten gegen Malaria oder HIV auch diesen Wissenstransfer aus der Schweiz. Studierende werden oft im Rahmen von grossen Projekten vor Ort angestellt und gezielt am Swiss TPH ausgebildet. Wenn die Mittel immer knapper werden, fällt die Finanzierung für solche Jobs oder für ganze Projekte weg.

Swiss TPH: Top-Forschung in 131 Ländern

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Swiss TPH-Glastüre
Legende: Der Sitz des Swiss TPH liegt in Allschwil BL. SRF

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist mit der Universität Basel assoziiert und hat weltweites Renommee auf dem Gebiet der globalen Gesundheit. Nach eigenen Angaben hat es einen besonderen Fokus auf Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Seinen Kose-Übernamen «Tropeli» hat das 1943 gegründete Institut einst wegen seiner Impfungen für Fernreisende erhalten. Heute verbindet es Forschung, Lehre und Dienstleistungen. Es sucht neuartige Diagnostika, Therapien und Impfstoffe und arbeitet dazu mit Partnern in über 130 Ländern zusammen.

Insgesamt arbeiten 950 Personen aus 95 Nationen am Swiss TPH in den Bereichen Klimawandel, Umwelt und Gesundheit, Infektionskrankheiten und nichtübertragbare Krankheiten, gesellschaftlicher und kultureller Kontext, sowie Gesundheitssysteme und -strategien. Derzeit studieren 190 Menschen aus 60 Ländern am Swiss TPH.

Studienleiter und Epidemiologe Peter Odermatt sagt: «Unser Ziel ist es, einen Beitrag an die globale Gesundheitsförderung zu leisten.» Swiss-TPH-Absolvierende seien später oft Schlüsselfiguren in ihrer Heimat. Er fürchtet, dass etwa in Gesundheitsministerien Fachleute fehlen werden, die grosse Projekte umsetzen könnten. Das würden betroffene Länder sehr schnell spüren.

Wenn das Geld längerfristig fehlt, wird dies immense Auswirkungen für sehr viele lokale Gemeinschaften haben.
Autor: Naomi Chi Ndum Studierende aus Kamerun am Swiss TPH

Eine der Forschenden am Swiss TPH ist Naomi Chi Ndum aus Kamerun – sie arbeitet an Präventionsprogrammen. Dass die USA Mittel streichen, habe schwere Folgen in anderen Ländern: «Ich denke, viel mehr Menschen werden leiden. Dass nun Geld wegfällt, macht mir grosse Sorgen. Wenn das längerfristig fehlt, wird dies immense Auswirkungen für sehr viele lokale Gemeinschaften haben.» Sie wolle sich selbst für Verbesserungen einsetzen.

Studierende besorgt um Gesundheit zu Hause

Die Schweizer Studentin Anais Galli warnt: Wenn jetzt Menschen keine Impfungen, gesundes Essen oder auch nur sauberes Wasser mehr bekommen, würden wohl manche Krankheiten wieder aufflammen – «und daran werden viele Leute sterben». Das wäre einfach zu vermeiden, sagt sie.

Wir machen uns Sorgen um künftige Generationen.
Autor: Daniel Salunga Studierender aus den Philippinen am Swiss TPH

Auch Daniel Salunga aus den Philippinen ist für seine Ausbildung nach Allschwil gekommen. «Wir fühlen uns nicht nur unsicher unseretwegen, sondern wir machen uns Sorgen um künftige Generationen.» Schon heute litten viel zu viele Menschen an Hunger. Er selbst will dagegen etwas unternehmen und Wissen über Ernährung in grossen Städten vermitteln.

Der Studienleiter und Epidemiologe Peter Odermatt hält fest: «Viele Studierende kommen aus dem Globalen Süden, und die meisten gehen danach wieder in diese Länder zurück.»

Gesundheitszentrum Ifakara in Tansania
Legende: Was Studierende am Swiss TPH in Allschwil lernen und erforschen, bringen sie in ihren Heimatländern ein. So profitiert auch das Gesundheitszentrum Ifakara in Tansania. zVg/Olivier Brandenberg, Swiss TPH

Odermatt sagt klar: «Momentan haben wir eine Krisensituation.» Man könne sich kaum ausmalen, was es bedeute, wenn Gelder grosser Player wegfallen. Sein Institut suche nun Lösungen mit neuen Partnerschaften, um direkt betroffene Personen zu schützen und auch, damit sich die globale Gesundheit nicht verschlechtere.

Linkspartei fordert, Basel-Stadt solle mit Geld einspringen

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Die Folgen der US-Politik auf das Swiss TPH haben in Basel-Stadt politische Diskussionen ausgelöst: Die Linkspartei BastA! fordert, der Stadtkanton solle zwecks Überbrückung mit Geld für Hilfsprojekte einspringen. Der reiche Kanton habe als wichtiger Pharma-Standort eine weltweite Verantwortung, sagt BastA!-Präsident und Grossrat Oliver Bolliger.

Die Basler SVP ist dagegen: Basel-Stadt sei nicht die Milchkuh für alles, sagt Fraktionschef Lorenz Amiet. Der Stadtkanton bezahle bereits gut vier Millionen ans Swiss TPH und nehme damit seine Verantwortung bereits wahr.

Längerfristig könne diese Krise auch eine Chance sein, sagt Odermatt. Dass Länder, die bisher stark von USAID-Geldern abhängig waren, die Sache vermehrt in die eigenen Hände nehmen würden. Das Swiss TPH selber will aktiver Mittel suchen und für sein Fundraising mehr Personal anstellen.

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Regionaljournal Basel Baselland, 31.3.2025, 17:30 Uhr ; 

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