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Tätigkeitsbericht 2024 Bundesanwalt fordert erneut mehr Personal bei der Kriminalpolizei

  • Die Bundesanwaltschaft hat nach eigenen Angaben ein ausserordentliches Jahr hinter sich.
  • Unter anderem führte sie rund 120 Terror-Strafverfahren – ein Rekord.
  • Nicht behoben ist die Personalnot. Der Bundesanwalt pocht erneut auf mehr Ermittler bei der Bundeskriminalpolizei.

Heute beschäftigt die Bundeskriminalpolizei rund 140 Ermittlerinnen und Ermittler. «Selbst wenn es pro Jahr fünf bis zehn Stellen mehr wären, würden wir das spüren», sagte Bundesanwalt Stefan Blättler vor den Medien. Es werde ohnehin immer mehr Fälle geben, als Ermittler zur Verfügung stünden.

Digitalexperten gefragt

Die Bundeskriminalpolizei müsse Verfahren teilweise zurück an Kantone geben oder ermittle «auf Sparflamme». Kürzlich hatte bereits die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) mehr Personal für die Bundeskriminalpolizei gefordert. Fakt ist, dass die Zahl der Angestellten in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent gesunken ist. Nach Ansicht der AB-BA müssten in einigen Deliktsfeldern zwei- bis dreimal mehr Bundesermittlerinnen und Bundesermittler mit entsprechenden fachlichen Kompetenzen tätig sein.

Gefragt sind laut dem Bundesanwalt nicht nur Ermittler mit einer klassischen Polizeikarriere, sondern auch Digitalexpertinnen. «Uns wird die Cyberkriminalität vermehrt beschäftigen.» Das dafür zuständige Kommissariat sollte die notwendigen Ressourcen haben.

«Hindernislauf durch einen Vergleich abkürzen»

Auch die lange Dauer von Verfahren im Bereich der Wirtschaftskriminalität treibt den Bundesanwalt um. In der Schweiz ist die Verurteilung eines Unternehmens an zahlreiche strenge Bedingungen geknüpft. «Die Bundesanwaltschaft böte Hand, diesen Hindernislauf durch einen Vergleich abzukürzen», liess sich Blättler im Tätigkeitsbericht zitieren.

Als Vorbild dienen sollen Instrumente, wie sie in den USA und in Frankreich zur Anwendung kommen. Ohne formell verurteilt zu werden, müssen dort Unternehmen den verursachten Schaden wiedergutmachen und sich verpflichten, künftig «sauber» zu wirtschaften. Auf diesem Weg wird das fehlbare Unternehmen von der Justiz begleitet und kontrolliert. Die Verfahren sind kürzer.

Wenn auch die Schweiz diesen Weg ginge, «wäre noch eine weitaus effizientere und effektivere Strafverfolgung in diesem Bereich möglich», teilte die Bundesanwaltschaft mit. Der Bundesrat ist derzeit vom Parlament beauftragt, die Vor- und Nachteile der Einführung eines solchen Instruments zu prüfen.

Mehr Terrorfälle denn je

Insgesamt zog Blättler eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Seine Behörde habe mehrere Urteile erwirkt, «die wegweisenden Charakter haben». Als ein Beispiel nannte er die – noch nicht rechtskräftige – Verurteilung des ehemaligen Innenministers von Gambia, Ousman Sonko, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Schwerpunkte der Arbeit seiner Behörde änderte der Bundesanwalt nicht. Nach wie vor im Fokus stünden kriminelle Organisationen sowie Vergehen wegen Geldwäscherei, Korruption, Terrorismus, Völkerstrafrecht und Cyberkriminalität. Blättler wiederholte seine Forderung nach einer Kronzeugenregelung im Kampf gegen die Mafia.

Ausserordentlich hoch war mit rund 120 die Anzahl der Strafverfahren im Bereich Terrorismus, welche die Bundesanwaltschaft im Jahr 2024 führte. «Das ist der bisher höchste Stand», sagte Blättler. Die Täterschaft werde immer jünger, weshalb die Bundesanwaltschaft vermehrt mit den Jugendanwaltschaften zusammenarbeite.

SRF 4 News, 3.4.2025, 16 Uhr ; 

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