Zum Inhalt springen

Kulturwissenschaft Keine tibetischen Sprachkurse an der Universität Bern mehr

Mit dem Studiengang zentralasiatische Kulturwissenschaft an der Uni Bern werden nun auch die Sprachkurse eingestellt.

Die Universität Bern ist die einzige Schweizer Hochschule, an der derzeit noch Sprachkurse in Tibetisch belegt werden können. Ab Herbst sollen diese eingestellt werden. Hintergrund ist, dass die Universität Bern den Studiengang zentralasiatische Kulturwissenschaft nicht mehr weitergeführt, was schon länger beschlossen wurde. Tenzin Yundung, die tibetische Wurzeln hat und in Bern derzeit ihren Master in zentralasiatischer Kulturwissenschaft abschliesst, bedauert das: «Wenn ich mich auf der wissenschaftlichen Ebene mit Tibet und Themen des Tibets auseinandersetzen möchte, finde ich kein Angebot mehr.»

Als Kinder haben wir oftmals die tibetischen Wochenendschulen besucht, die aber nur Grundlagen vermittelt haben.
Autor: Tenzin Yundung Studentin Zentralasiatische Kulturwissenschaft

Das sei auch ein Zeichen dafür, dass die tibetische Kultur im Exil bedroht sei. Die Sprachkurse seien für Tenzin Yundung auch deshalb wertvoll gewesen, da es für sie als Tibeterin der dritten Generation schwierig ist, die tibetische Sprache zu pflegen: «Als Kinder haben wir oftmals die tibetischen Wochenendschulen besucht, die aber nur Grundlagen vermittelt haben.» Daher seien Sprachkurse auf universitärer Ebene hilfreich, um sich intensiver mit dem Tibetisch auseinanderzusetzen.

Weshalb sind universitäre Kurse für Tibets Kultur so wichtig?

Box aufklappen Box zuklappen

SRF hat mit Selina Morell von der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz über das Ende des Studiengangs zentralasiatische Kulturwissenschaften und die Folgen für die tibetische Bevölkerung gesprochen.

SRF News: Weshalb sind universitäre Kurse für die Kultur und die Sprache des Tibets so wichtig? Welche Rolle spielt das Ausland bei der Pflege der tibetischen Kultur und der Sprache?

Selina Morell: Allgemein ist die Kultur und die Religion des Tibets extrem unterdrückt. Da spielt das Ausland eine sehr wichtige Rolle, damit man die Kultur und die Sprache weiterhin lernt und am Leben erhält, während es in Tibet selbst im Moment leider absolut nicht möglich ist.

Gibt es in der Schweiz nach dem Ende der Sprachkurse an der Universität Bern noch andere Möglichkeiten, die tibetische Sprache zu pflegen und zu lernen?

Es gibt natürlich noch private Initiativen oder auch Kurse der tibetischen Gemeinschaft selbst, aber auf Universitätslevel wird das nicht mehr möglich sein. Das sehen wir schon als einen gravierenden Entscheid.

Es gibt zum Beispiel noch das Tibetinstitut in Rikon. Können solche Institutionen hier ein Stück weit in die Bresche springen oder hat das auch Grenzen?

Sie tragen sicher einen wichtigen Teil dazu bei, die tibetische Kultur und Sprache weiterhin am Leben zu erhalten und auch einer jüngeren Generation zugänglich zu machen. Aber das Lernen an einer Universität, ist nicht zu ersetzen. Da geht es auch darum, dass man interdisziplinär Studien zum Himalayagebirge machen kann oder Ökologie und die Originalquellen studieren kann. Und das ist nicht mehr möglich, wenn man die Sprachkurse einstellt.

In der Schweiz lebt eine der grössten Exilgemeinschaften des tibetischen Volkes. Da ist die Schweiz ein wichtiger Ort für die Pflege der tibetischen Sprache und Kultur. Künftig muss dies ausserhalb des universitären Umfelds geschehen.

Sprachausbildung ist ein Beitrag an eine Kultur. Aber die Universität Bern hat keinen spezifischen Auftrag dazu.
Autor: Christoph Pappa Generalsekretär Universität Bern

Laut dem Generalsekretär der Universität Bern, Christoph Pappa, war das Interesse an den zentralasiatischen Kulturwissenschaften zu tief. Da die Sprachkurse Teil des Studiengangs sind, würden sie nun ebenfalls eingestellt. Zu den Befürchtungen der tibetischen Diaspora sagt er: «Sprachausbildung ist durchaus ein Beitrag an eine Kultur. Aber die Universität Bern hat keinen spezifischen Auftrag dazu. Deshalb ist zu überlegen, wie man das anders organisieren kann.»

Dennoch sind die Schweizer Tibetorganisationen besorgt. Der Entscheid, die Sprachkurse einzustellen, bedeutet de facto, dass Studien zu Tibet in der Schweiz nicht mehr möglich seien. Das schreiben Sie in einem offenen Brief und fordern die Universität Bern dazu auf, die Sprachkurse beizubehalten.

HeuteMorgen, 25.03.2025, 06:00 Uhr

Meistgelesene Artikel