Es ist ein gewaltiges Zollpaket, das US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend verkündet hat. Die Schweiz trifft es mit Zöllen in Höhe von 31 Prozent. Was die neuen Zölle für die Schweizer Industrie bedeuten und wie sie darauf reagiert, weiss Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik des Branchenverbands Swissmem.
SRF News: Was lösen die US-Zölle bei Swissmem aus?
Jean-Philippe Kohl: Swissmem und die ganze Tech-Industrie sind sehr enttäuscht über diesen Entscheid. Er ist für uns völlig unverständlich und letztlich auch nicht nachvollziehbar. Die USA behaupten, dass wir 60 Prozent Zölle erheben würden. Diese Zahl soll jetzt kompensiert werden, mit einem sogenannten reziproken Zoll von 30 Prozent.
Bei den Industrieprodukten hat die Schweiz ihre Industriezölle abgeschafft. Wir haben diese gar nicht.
Wir haben zwar auf einem sehr schmalen Produktsegment noch Zölle, nämlich bei den Agrargütern. Das sind aber nicht sehr viele Produkte. Bei den Industrieprodukten hat die Schweiz ihre Industriezölle abgeschafft. Wir haben diese gar nicht. Und so sind diese 60 Prozent, die wir da erheben sollen, absolut nicht nachvollziehbar.
Welche konkreten Auswirkungen könnten diese Zölle auf die Schweizer Industrie haben?
Bei einem Zoll von über 30 Prozent reden wir nicht mehr von einer graduellen Verteuerung oder einer graduellen Verschlechterung der Wettbewerbssituation. Die Auswirkungen sind massiv. Ein Zahlenbeispiel: Wir sind Lieferanten von Hightech-Produkten, beispielsweise einer Werkzeugmaschine. Diese kann schnell einmal 1 Million Franken kosten. Wenn Sie jetzt einen Zoll von 30 Prozent draufschlagen, wird die Maschine 1.3 Millionen Franken kosten. Die entscheidende Frage ist: Wie reagiert der Kunde? Wenn er wirklich auf diese Maschine angewiesen ist und keine Alternative findet, wird er die 300'000 Franken Zoll zahlen. Das wird aber in den allerwenigsten Fällen zutreffen.
Wir erwarten einen massiven Rückgang unserer Verkäufe in die USA.
Wir haben Konkurrenten aus der EU. Dort betragen die Zölle «nur» 20 Prozent. Dann kann der Kunde natürlich ausweichen. Eine andere Möglichkeit ist: Der Kunde sagt: ‹Ich kaufe jetzt im Moment gar nichts. Ich schaue, dass ich mit der alten Maschine noch über die Runden komme und mache noch etwas mehr Service.› Auch dann wird unsere Firma nicht verkaufen können. Mit anderen Worten, wir erwarten einen massiven Rückgang unserer Verkäufe in die USA.
Welche Schweizer Industriezweige sind am härtesten von den Zöllen betroffen?
Die Schweizer Tech-Industrie hat verschiedene Segmente, die wir abdecken. Dazu gehört der gerade erwähnte Maschinenbau. Wir exportieren aber auch elektrotechnische Anlagen, Elektronikprodukte, Fahrzeugteile oder ganze Schienenfahrzeuge. Ein grosser Teil sind Präzisionsinstrumente wie Messgeräte. Die Zölle treffen eigentlich die ganze Palette von Tech-Produkten ausserhalb der Aluminium- und Stahlprodukte, weil die schon mit 25 Prozent belegt sind.
Die Firmen werden sich also mittelfristig neue Märkte erschliessen müssen, um dieses verloren gegangene Exportvolumen kompensieren zu können.
Was kann die Schweizer Industrie gegen diese US-Zölle tun?
Kurzfristig wird es schwer für Firmen, die ein wesentliches US-Geschäft haben. Mittelfristig wird der amerikanische Markt, wenn die Zölle anhalten sollten, jedoch automatisch an Bedeutung verlieren. Die Firmen werden sich neue Märkte erschliessen müssen, um dieses verloren gegangene Exportvolumen kompensieren zu können. Das sind dann die europäischen Märkte, aber auch aussereuropäische Märkte wie China, Indien, der südostasiatische Raum und der südamerikanische Raum.
Das Gespräch führte Dominic Rolli.