- Der frühere FDP-Nationalrat und heutige Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger soll die Zürcher FDP aus dem Jammertal holen.
- Die Delegierten haben den knapp 71-Jährigen zum Präsidenten gewählt.
- Er wird das Amt aber nicht alleine ausüben.
Die Delegierten wählten Filippo Leutenegger zusammen mit der 38-jährigen FDP-Kantonsrätin Raffaela Fehr und dem 31-jährigen Präsidenten der Jungfreisinnigen Schweiz, Matthias Müller. Fehr und Müller bilden das Vizepräsidium.
Der Zürcher Freisinn wird künftig also von einem Trio geführt. Die Amtsübergabe findet im Dezember statt. Der bisherige Präsident Hans-Jakob Boesch führte die FDP seit 2016.
Deutlicher Entscheid für das «Team Filippo»
Der Entscheid für das «Team Filippo» fiel überaus deutlich: Es erhielt 171 Stimmen. Das Konkurrenzteam, bestehend aus dem ehemaligen Avenir-Suisse-Chef Peter Grünenfelder und dem Thalwiler Gemeinderat Thomas Henauer, holte hingegen nur 63 Stimmen.
Leutenegger hatte seine Kandidatur kurz nach den Wahlen eingereicht. «Wir sind im Jammertal, wir haben verloren», sagte er dazu. «Jetzt muss man aufstehen und arbeiten». Alleine habe er das Präsidium aber nicht übernehmen wollen, weshalb er Fehr und Müller angefragt habe. Nun sei er «der Silberrücken, der zwei Junge mitnimmt».
An der Delegiertenversammlung sagte Leutenegger, für ein solches Amt brauche es Erfahrung und eine dicke Haut. Deshalb sei zunächst er an der Spitze und die beiden Jüngeren in der zweiten Reihe. «Ich glaube aber, irgendwann kommen sie dann nach vorne.» Möglich also, dass sich Leutenegger später zurücknimmt zugunsten eines Co-Präsidiums von Fehr und Müller.
Seine Doppelfunktion sei kein Problem
Nach seiner Wahl zum Parteipräsidenten trägt Leutenegger nun zwei Hüte: Seit 2014 ist er bereits Zürcher Stadtrat. Interessenkonflikte könnten beispielsweise bei Fragen zu Tempo 30 aufkommen.
Leutenegger selbst sieht das anders: «Wenn wir in der Stadt einen Entscheid fällen, bei dem wir nicht einverstanden sind mit dem Kanton, dann bin ich natürlich ans Kollegialitätsprinzip gehalten.» Sowieso seien solche Situationen selten. Und dann könne er in Ausstand treten.
Ich habe die Kraft für die Doppelbelastung.
Auch was die doppelte Belastung angeht, macht sich Leutenegger keine Sorgen. Trotzdem habe er sich seine Kandidatur sorgfältig überlegt. «Ich habe aber die Kraft dazu und ich habe zwei, die mitziehen», sagte er.
Listenverbindung mit SVP «brachte nichts»
Im Zürcher Freisinn gibt es aktuell viele Baustellen: Die Listenverbindung mit der SVP bei den Eidgenössischen Wahlen sorgte innerhalb der Partei für einen tiefen Graben. Leutenegger bezeichnete diese Listenverbindung als «nicht glücklich». An der Urne habe das nichts gebracht. Sie sei zudem intern nicht getragen worden.
Erfolge bleiben bei der Zürcher FDP seit längerem aus. Jüngste Niederlage war der Verlust des Ständeratssitzes, den die FDP seit 40 Jahren ununterbrochen besetzt hatte.
FDP-Kandidatin Regine Sauter zog sich nach dem ersten Wahlgang zugunsten von SVP-Kandidat Gregor Rutz zurück. Die SVP holte mit Hardliner Rutz aber ausserhalb der SVP-Wählerschaft nicht genügend Stimmen. Gewählt wurde schliesslich GLP-Nationalrätin Tiana Moser.