Der Schweizer Immobilienmarkt hat sich 2024 nach dem Dämpfer durch die temporär gestiegenen Zinsen im Vorjahr erholt. Wohnflächen haben wieder an Wert gewonnen. Gleichzeitig stiegen die Mieten so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer neu veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens IAZI hervor, das den Schweizer Immobilienmarkt regelmässig durchleuchtet.
Im abgelaufenen Jahr sind die Mietpreise schweizweit im Schnitt demnach um 4.5 Prozent gestiegen, regional teilweise auch deutlich mehr. 2023 lag das Plus bei lediglich 2.4 Prozent.
Tieferer Referenzzinssatz wohl ohne Wirkung
Donato Scognamiglio ist IAZI-Verwaltungsratspräsident. Der Immobilienexperte sieht mehrere Gründe für die Preisentwicklung. «Die Nachfrage ist enorm. Gebaut wird kaum.» Das mache sich bei den Mietpreisen bemerkbar. Gleiches gelte für die beiden Erhöhungen des Referenzzinssatzes im Jahr 2023. «Die sind jetzt bei Herr und Frau Schweizer Mieter angekommen», erklärt Scognamiglio.
Leider werden 2025 die Mieten nicht sinken.
Vor Kurzem ist der Referenzzins für Mieten erstmals wieder gesunken. Scognamiglio ist jedoch pessimistisch, dass sich dies in sinkenden Mieten niederschlagen wird.
«Leider werden 2025 die Mieten nicht sinken, obwohl wir eine Referenzzinssatzsenkung hatten. Die Inflation dürfte diese Senkung kompensieren. Also bad news: Es wird nicht billiger.»
Günstiges Segment am stärksten betroffen
Ins Auge springt: Besonders günstige Wohnungen verschwinden zusehends vom Markt. Und ausgerechnet in diesem Segment sind die Mieten in den letzten 20 Jahren am stärksten gestiegen: um 30 Prozent.
«Wir haben festgestellt, dass vor allem die günstigsten zehn Prozent der Wohnungen den stärksten Preisanstieg erlebt haben», sagt Donato Scognamiglio. Grund seien nicht Sanierungen, «sondern die Wohnungen verschwinden einfach vom Markt», sagt der Experte. Das führe dazu, dass Personen mit einem knappen Budget mehr als ein Drittel für die Miete ausgeben müssten und darum aus den Zentren wegziehen.
Vorsichtig optimistischer Ausblick
Für das laufende Jahr gibt sich IAZI vorsichtig optimistisch. Ob sich das für Immobiliendirektanlagen vorteilhafte Umfeld im laufenden Jahr 2025 fortsetzt, sei ungewiss.
«In Zeiten globaler Unsicherheit bleiben Schweizer Immobilien eine gefragte Anlage», schreibt IAZI. Ob sie auch eine eventuelle Rückkehr zu höheren Zinsen und eine allfällige wirtschaftliche Abschwächung zu kompensieren vermögen, bleibe jedoch abzuwarten.