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Bild 1 von 4. Schweizer als Sklavenhalter: Auch Schweizer Familien oder Unternehmen besassen Plantagen, auf denen Sklaven arbeiteten. Bildquelle: imago images.
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Bild 2 von 4. Schweizer als Investoren in Sklaventransporte: Auf den Schiffen wurden die Sklaven auf engstem Raum zusammengepfercht. Bildquelle: Unbekannt.
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Bild 3 von 4. Profit mit Kolonialwaren: «Indiennes», kunstvolle Stoffe aus Europa, wurden in Afrika gegen Sklaven getauscht. Bildquelle: Wikimedia / Wesserling.
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Bild 4 von 4. Söldner aus der Schweiz: Schweizer verdingten sich unter anderem als Aufseher oder Verwalter von Sklavenplantagen. Bildquelle: Wikimedia.
Im Rahmen des atlantischen Sklavenhandels vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurden laut Forschung rund 12,5 Millionen Menschen aus Afrika in die Neue Welt verschleppt. Die Aufarbeitung der Schweizer Rolle in diesem Geschäft hat lange auf sich warten lassen.
Erst im 21. Jahrhundert hat eine breite Debatte und Forschung eingesetzt. Heute lässt sich sagen: Schweizer Unternehmen und Familien machten auf unterschiedliche Art Gewinn durch Kolonialismus und Sklavenhandel.
Als Sklavenhalter
Schweizer besassen Sklavenplantagen in der Neuen Welt. Der Neuenburger Kaufmann Jacques-Louis de Pourtalès gehörte Ende des 18. Jahrhunderts zu den reichsten Schweizern. Sein Vermögen hatte er auch mit Sklaverei gemacht. Er unterhielt mehrere Plantagen auf Grenada, wo er mit Sklaven Kakao, Zucker oder Baumwolle herstellte. Die Familie von Eisenbahnpionier Alfred Escher besass im 19. Jahrhundert eine Kaffee-Plantage auf Kuba, auf der fast 90 Sklaven arbeiteten.
Als Sklavenhändler
Schweizer beteiligten sich im 18. Jahrhundert auch als Geldgeber oder als Reeder an den Sklaventransporten aus Afrika. Einer von ihnen war der Basler Händler Christoph Burckhardt mit Beteiligungen an 21 Sklavenhandelsexpeditionen zwischen 1783 und 1818. Über 7'000 Sklaven wurden dabei nach Amerika transportiert. Der Neuenburger David De Pury verdiente im 18. Jahrhundert ein Vermögen, unter anderem mit Aktienbeteiligungen an Gesellschaften, die Sklaventransporte durchführten.
Als Kaufleute
Profit machten Schweizer Familien oder Unternehmen über direkte und indirekte Beteiligung am atlantischen Dreieckshandel. Schweizer Produkte, etwa Textilien, wurden nach Afrika verschifft. Dort wurden sie gegen Sklaven eingetauscht, welche dann in die Neue Welt verschleppt wurden. Von dort kamen die Schiffe zurück nach Europa – beladen mit begehrten Waren wie Zucker, Baumwolle oder Kaffee. Der Handel mit Kolonialwaren und die Produktion von Stoffen, die nach Afrika verkauft wurden, begründeten den Reichtum der Ostschweizer Textilhandelsfamilie Zellweger. Auch das Schaffhauser Handelshaus Amman machte Gewinne mit Kolonialwaren.
Als Söldner
Zahlreiche Schweizer haben sich als Söldner in den Dienst von Kolonialmächten gestellt. So hat der Genfer Oberst Louis Henri Fourgeoud geholfen, Sklavenaufstände in Guyana (1763) und Surinam (ab 1773) niederzuschlagen. Der Basler Isaac Miville leitete 1652 das schwedische Sklavenhandelsfort «Cape Coast» im heutigen Ghana, ein Umschlagsplatz für den Sklavenhandel. Eine Truppe aus über 600 Schweizern unter dem Schaffhauser Hauptmann Wipf sollte 1803 den Sklavenaufstand auf Haiti bekämpfen – blieb dabei aber erfolglos.
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Bild 1 von 4. Noch heute finden sich Spuren der kolonialen Vergangenheit in vielen Teilen der Schweiz. Ein zuletzt oft diskutiertes Beispiel ist der Neuenburger David De Pury. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung wurde auch von Aktivisten in der Schweiz gefordert, die Statue von De Pury in Neuenburg wegen seiner Rolle im Sklavenhandel zu entfernen. Bildquelle: Keystone.
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Bild 2 von 4. Die Statue von Alfred Escher, dem Eisenbahnpionier und Gründer der Schweizerischen Kreditanstalt, in Zürich, ist ebenfalls Teil der Debatte um die koloniale Vergangenheit geworden. Die Familie Escher hat auf einer Plantage in Zürich Sklaven arbeiten lassen. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 4. Die Zunft zum Mohren in Bern steht seit längerer Zeit in der Kritik. Ihr Logo zeigt stereotypisch einen Mann afrikanischer Herkunft. Die Statue vor dem Zunftgebäude, welche einen afrikanischen Krieger darstellt, wurde mittlerweile verhüllt. Bildquelle: Keystone.
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Bild 4 von 4. Die Bauten der Familie Zellweger prägen das Ortsbild von Trogen noch heute. Mit der Produktion von Textilien, die später nach Afrika verschifft wurden, und mit dem Handel mit Kolonialwaren, haben stark zum Reichtum der Familie beigetragen. Bildquelle: Keystone.
Datenbank über Schweizer Beteiligungen
Die Schweizer Beteiligung am Sklavenhandel lässt sich heute schwer quantifizieren. Historiker haben 2005 ausgerechnet, dass Schweizer für 1,5 Prozent der gesamten Deportation von Menschen aus Afrika verantwortlich waren. Das würde rund 180'000 Sklavinnen und Sklaven betreffen. Diese Zahlen variieren je nach Forschung, bewegen sich aber in einem ähnlich Rahmen.
Die Stiftung «Cooperaxion» hat eine Datenbank angelegt, in der sie Schweizer Verstrickungen in Kolonialismus und Sklavenhandel verzeichnet. Ende 2020 fanden sich dort über 260 Einträge.