Rund sechs Jahre ist es her, seit «Leaving Neverland» schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson in die Öffentlichkeit brachte. In der rund vierstündigen Doku berichten Wade Robson und James Safechuck ausführlich über ihre Erfahrungen mit dem Popstar, die sie als sexuellen Missbrauch schildern.
Der Dokumentarfilm schlug bei seiner Veröffentlichung hohe Wellen – nicht nur, weil er sich mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen einen der grössten Popstars aller Zeiten befasste, sondern auch, weil er die allgemeine Debatte über die Glaubwürdigkeit von Opfern weiter anfachte.
Robson und Safechuck hatten zuvor bestritten, von Jackson missbraucht worden zu sein – Robson verteidigte ihn sogar vor Gericht. Ihre anschliessende Kehrtwende in «Leaving Neverland» sorgte für hitzige Diskussionen.
Jacksons Familie und viele seiner Fans wiesen die Anschuldigungen vehement zurück, während andere die Doku als längst überfällige Enthüllung betrachteten. Noch heute löst jede Erwähnung von «Leaving Neverland» in sozialen Medien eine Welle an Reaktionen aus – von kritischen YouTube-Videos bis hin zu langen X-Threads mit Copy-Paste-Argumenten.
Eine Fortsetzung ohne neue Erkenntnisse?
Wer Wade Robson und James Safechuck für unglaubwürdig hält, wird in «Leaving Neverland 2: Surviving Michael Jackson» keine neuen Erkenntnisse finden. Auch die Fortsetzung basiert erneut auf ihren Aussagen und verfolgt die gleiche Erzählweise: Safechuck, Robson und ihre aktuellen Anwälte berichten rund eine Stunde lang darüber, was seit der Veröffentlichung des ersten Teils geschehen ist und geben ein Update zum laufenden Gerichtsverfahren.
Neu ist jedoch, dass mit Andy Signore eine prominente Gegenstimme zu Wort kommt. Signore, bekannt für seine investigativen Videos zu diesem Thema, hat sich intensiv mit vermeintlichen Widersprüchen in den Aussagen von Robson und Safechuck beschäftigt. In der Doku darf er kurz einige Aspekte beleuchten, die im ersten Teil nicht thematisiert wurden – allerdings auf eine eher unbeholfene Weise.
Mehr Emotionen, wenig Neues
Doch selbst wer «Leaving Neverland» fesselnd fand, wird im zweiten Teil kaum Neues entdecken. Zwar vertieft die Fortsetzung die emotionalen Erzählungen der Protagonisten, bringt jedoch weder bahnbrechende Enthüllungen noch neue juristische Entwicklungen ans Licht.
Besonders entscheidend: Der eigentliche Zivilprozess gegen den Nachlass von Michael Jackson ist erst für Herbst 2026 angesetzt. Viele offene Fragen könnten erst in ein paar Jahren geklärt werden – wenn überhaupt. Bis dahin bleibt «Leaving Neverland 2» eher eine optionale Ergänzung als ein wirklich neues Kapitel dieser Geschichte.