Darum geht es: Ein Kunde aus dem Kanton Bern bestellt seine Alphagan-Tropfen gegen zu hohen Augendruck seit Jahren bei der Versandapotheke «Zur Rose». In den vergangenen Jahren wurden die drei Zentimeter grossen Plastikfläschchen immer in einer kleinen, handlichen Verpackung geliefert.
Plötzlich überrascht «Zur Rose» den Kunden mit einem überdimensionierten Paket – schätzungsweise 20 bis 30-Mal so gross wie üblich. Inhalt: viel Verpackungsmaterial und vier schwere Kühlelemente, die mit «Cool Packs» beschriftet sind.
Was irritiert den Kunden daran? Die Augentropfen sollen gemäss Packungsbeilage bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gelagert werden. Weshalb das Medikament neuerdings gekühlt geliefert wird, bei einer damaligen Aussentemperatur von drei Grad, kann der Kunde nicht nachvollziehen.
Was sagt «Zur Rose» dazu? Die Versandapotheke schreibt dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: Die Kantonale Heilmittelkontrolle Zürich habe per Anfang Jahr die regulatorischen Vorgaben verschärft, deshalb die neue Verpackung. Das stimme so nicht, korrigiert die zuständige Kantonsapothekerin des Kantons Thurgau, in welchem «Zur Rose» ihren Sitz hat. «Zur Rose» müsse beim Medikamentenversand ganz einfach die Anforderungen des Heilmittelgesetzes erfüllen.
Weshalb der aufwändigere Versand? Bei besonders heissen oder tiefen Temperaturen muss «Zur Rose» heikle Medikamente ab sofort noch zusätzlich schützen. Vor allem Produkte mit hohem Wassergehalt wie Tropfen, Gels und Crèmen. Dies macht die Versandapotheke mit sogenannten Thermo-Packs, welche bei Kälte wärmen und bei Hitze kühlen. Die Beschriftung «Cool Pack» sei falsch und würde angepasst, schreibt «Zur Rose».
Und was ist mit der Umwelt? Nadja Müller, Kantonsapothekerin im Thurgau, versteht die Bedenken des Kunden betreffend Umwelt und Klima. Aber es gehe letztlich um die Qualität und Wirksamkeit der Arzneimittel und um die Patientensicherheit. «Zur Rose» schreibt, die aufwändige Verpackung sei nur in Ausnahmefällen nötig. Dies für besonders heikle Produkte und bei extremen Temperaturen. Man nehme die Kritik aber ernst und wolle die Verpackungen noch optimieren.