Ähnlich wie bei Eisbergen liegt der Grossteil der Pflanzen im Verborgenen. Lange Zeit wurden Wurzeln deshalb wenig beachtet. Neue Forschungen zeigen jedoch: Sie sind wahre Multitalente.
Die Aufgaben der Wurzeln
Wurzeln versorgen Pflanzen mit Nährstoffen und schützen sie vor Krankheitserregern. Zudem pflegen sie ein eigenes Netzwerk. Sie interagieren mit Lebewesen und kommunizieren mit Nachbarpflanzen. «Die Wurzeln sind die Hotspots des Lebens im Boden. Hier tummeln sich all die kleinen Wesen. Es ist wie eine Kneipe oder ein Restaurant», erklärt Agrarwissenschaftlerin Linda-Maria Dimitrova Mårtensson.
Die Wurzeln sind die Hotspots des Lebens im Boden.
Doch Wurzeln stehen vor Herausforderungen. Intensive Landwirtschaft laugt Böden aus. Die Folge: weniger Nährstoffe für die Pflanzen. Düngemittel helfen kurzfristig, aber überschüssige Nährstoffe gelangen ins Grundwasser. Das führt zu Algenbildung. Auch moderne Getreidesorten sind gefährdet. Wegen ihrer kurzen Wurzeln können diese Pflanzen weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Dadurch sind sie weniger gut vor Hitze geschützt.
Forschung an Wurzeln
Die Wissenschaft arbeitet an widerstandsfähigeren Wurzeln. Forschende untersuchen das Wurzelwachstum genau.
Wenn man sich das genau überlegt, ist es so, dass der Mensch ohne Wurzeln nicht überlebt.
Das Ziel: stressresistente Samen mit robusten Wurzeln züchten. «Wenn man sich das genau überlegt, ist es so, dass der Mensch ohne Wurzeln nicht überlebt», sagt Robert Koller vom Forschungszentrum Jülich in Deutschland.
Auch in der Landwirtschaft gibt es neue Ansätze. In Schweden arbeitet Agrarwissenschaftlerin Prof. Linda Maria Mårtensson an einer mehrjährigen Weizensorte mit tieferen Wurzeln. Sie sollen Nährstoffe und Wasser besser aufnehmen und Erträge nachhaltig sichern. In Deutschland nutzt Agrarwissenschaftler Jan Ritter stimulierende Substanzen aus Pflanzenextrakten und Mikroorganismen. Sie regen das Wurzelwachstum an. Er sieht darin eine Chance für Pflanzen in nährstoffarmen Böden.
Wurzeln im Fokus der Forschung
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Bild 1 von 5. Wurzeln im Schaufenster. Im Forschungszentrum Jülich werden die Wurzeln sichtbar gemacht. Bildquelle: Heidefilm.
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Bild 2 von 5. Forschungszentrum Jülich. Robert Koller und sein Team bringen Wurzeln ans Licht. Bildquelle: Heidefilm.
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Bild 3 von 5. Die Zukunft des Getreides. Prof. Linda Maria Mårtensson forscht in Schweden zu mehrjährigem Weizen. Bildquelle: Heidefilm.
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Bild 4 von 5. Vermessung der Wurzeln. Jan Ritter misst, wie stimulierende Substanzen das Wurzelwachstum beeinflussen. Bildquelle: Heidefilm.
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Bild 5 von 5. Wurzeln für den Küstenschutz. Salzwiesen an den Küsten leisten einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz. Starke Wurzeln stabilisieren diese. Bildquelle: Heidefilm.
Alleskönner Wurzeln
Wurzeln können aber noch mehr. An den Küsten der Niederlande bilden Gräser Salzwiesen, die als natürliche Wellenbrecher dienen. Während die Pflanzen den Boden stabilisieren, hält ihn das Wurzelnetzwerk fest.
Und auch bei der Gewinnung von Metallen könnten Wurzeln helfen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie Pflanzen Rohstoffe aus dem Boden aufnehmen. Denn: Über die Wurzeln nehmen sie auch Metalle und Seltene Erden auf und speichern sie. Werden die Pflanzen verbrannt, können aus der Asche Metalle gewonnen werden. Dieses Verfahren, «Phytomining» genannt, könnte eine umweltfreundlichere Alternative zum klassischen Bergbau sein.
Die Dokumentation «Weltretter Wurzeln» beleuchtet den versteckten Teil der Pflanzen. Wurzeln sind wahre Alleskönner mit erstaunlichen Fähigkeiten. Sie versorgen und schützen Pflanzen, stabilisieren den Boden und könnten sogar zur Metallgewinnung beitragen. Im Kampf gegen den Klimawandel könnten sie eine Schlüsselrolle spielen.