Wenn es um Zölle geht, mag er zuweilen schwanken. Doch wenn es um ästhetische Fragen geht, hat Donald Trump klare Vorstellungen. Das Porträtbild, das im Parlamentsgebäude des Bundesstaates Colorado hängt, findet er scheusslich. Auf seiner Plattform «Truth Social» schreibt Trump, es wäre ihm «viel lieber, kein Bild zu haben als dieses.»
Das Bild des Anstosses hängt seit 2019 im Kapitol von Colorado. Ein republikanischer Politiker hatte die Anschaffung des Gemäldes angeregt. Finanziert wurde es durch ein Crowdfunding, wie der «Tagesspiegel» schreibt.
Mit dem Porträt beauftragt wurde Sarah A. Boardman. Die in Colorado Springs lebende Künstlerin hatte bereits ein Porträt von Barack Obama gemalt. Der sehe auf seinem Porträt wunderbar aus, urteilt Trump. Anlass für noch mehr Wut.
Ist das wirklich Trump?
Das Porträt ist ein klassisches Brustbild. Der Oberkörper leicht nach links gerichtet, der Blick ins Ungefähre. So weit, so banal. Aber wer ist der Typ auf dem Bild? Soll das wirklich Trump sein? Der 45. und 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika?
Dem Porträtierten traut man maximal die Leitung einer ländlichen Gemeindeverwaltung zu. Er wirkt fad und langweilig und etwas schlaff um die Wangenpartie. Ein gelungenes Porträt sieht anders aus.
Macht demonstrieren mit Bildern
«Niemand mag ein schlechtes Bild von sich», schreibt Trump in seinem Post. Stimmt. Ein Porträt, auf dem man sich selbst nicht wiedererkennt, ist eine heikle Sache. Doch bei diesem Trump-Bild geht es um mehr als persönliche Befindlichkeiten. Es geht um das öffentlich präsentierte Bild eines hochrangigen Politikers.
Da ist mehr gefragt als Wiedererkennbarkeit. Offizialporträts von Würdenträgern sollen die Bedeutung einer Person fühlbar machen und Eigenschaften wie Entschlossenheit, Energie aber auch Verlässlichkeit betonen.
Im Lauf der Geschichte hat man verschiedene Accessoires eingesetzt, um Macht sichtbar zu machen: Reichsapfel, Schwert, Hermelin. Oder die roten Absätze von Louis XIV. Hoch zu Ross war lange beliebt – weil es Abstand erzeugt und dynamisch wirken kann.
Ähnlichkeit ist bei Offizialporträts nicht unbedingt oberstes Gebot. Macht wurde meist geglättet, geschönt, akzentuiert. Das Kinn ein wenig entschlossener, der Blick wacher. Wer schon mal einen Politiker, eine Politikerin neben dem eigenen Wahlkampfplakat gesehen hat, weiss: Das wird auch heute noch praktiziert. Nur eben digital.
Narben und nackte Haut
Auch für Offizialporträts gilt: Stilbrüche können das Salz in der Suppe sein. Oliver Cromwell soll gesagt haben: «Male mich, wie ich bin. Wenn du die Narben und Falten fortlässt, zahle ich dir keinen Schilling.» Wenn man sich als furchtloser Haudegen inszenieren möchte, können ein paar Narben durchaus gute Dienste leisten.
Auch Putin zeigte sich als gewiefter Selbst-Inszenierer, als er Fotos publizieren liess, die ihn mit nacktem Oberkörper zeigen. Zuvor ein No-Go für Staatenlenker, verlieh es Putin die Aura eines harten Kerls mit wachem Jagdinstinkt.
Mittlerweile hat Trump erwirkt, dass sein blässliches Porträt aus dem Kapitol in Colorado entfernt wurde. Ersatz wurde noch nicht gefunden.