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China, Kanada und Mexiko Trump startet Handelskrieg – Länder kontern mit Gegenzöllen

    Die Fakten: Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle für Waren aus Mexiko und Kanada sind in Kraft getreten. Die Strafmassnahmen auf Waren aus Kanada und Mexiko betragen neu 25 Prozent. Der Republikaner ordnete ausserdem an, die Importzölle auf Waren aus China auf 20 Prozent zu verdoppeln. Der «New York Times» zufolge machen die Importe aus Kanada, Mexiko und China zusammen mehr als 40 Prozent aller US-Importe aus.

Die Begründung: Trump begründet die Zölle damit, dass die Nachbarländer nicht ausreichend gegen Drogenhandel und illegale Migration an den gemeinsamen Grenzen vorgingen. Peking wirft er unter anderem vor, nicht zu verhindern, dass die in China hergestellte Droge Fentanyl in die USA geschmuggelt werde.

    Die Auswirkungen: Trumps Ankündigung liess die Aktienmärkte einbrechen. Entsprechend ist auch der Schweizer Aktienmarkt schwächer in den Tag gestartet. Allerdings erhält die hiesige Börse kräftige Unterstützung von den defensiven Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche, die in unsicheren Zeiten eher Zuspruch erhalten. Die wichtigsten US-Aktienindizes drehten ins Minus, auch die asiatischen Märkte brachen zum Start in den Tag ein. «Die Federal Reserve Bank von Boston, eine der zwölf Regionalbanken des US-amerikanischen Zentralbanksystems hat zum Beispiel eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Zölle die Inflation im Land um 1 Prozentpunkt steigern könnten. Weiter könnte die Wirtschaft der USA um 2.8 Prozent schrumpfen», sagt SRF-Wirtschaftsjournalistin Isabel Pfaff,

Arbeiterin vor einem Auto.
Legende: Viele Autohersteller und auch viele Zulieferer nutzen Mexiko als billigen Produktionsstandort – und bedienen von dort aus auch den US-Markt. Reuters/Henry Romero

Die Reaktionen: Als Reaktion erheben alle drei betroffenen Länder Gegenmassnahmen:

  • Der kanadische Premierminister Justin Trudeau verkündete sofortige Zölle von 25 Prozent auf amerikanische Importe im Wert von 20,7 Milliarden US-Dollar. Weitere Zölle auf Waren im Wert von 86,2 Milliarden US-Dollar sollen folgen, falls Trumps Zölle auch nach 21 Tagen noch in Kraft sind. Zuvor hatte Trudeau gesagt, Kanada werde US-Bier, Wein, Bourbon, Haushaltsgeräte und Orangensaft aus Florida ins Visier nehmen. «Zölle werden eine unglaublich erfolgreiche Handelsbeziehung stören», sagte der Regierungschef.
  • Mexiko ist der wichtigste Handelspartner der USA. Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte am Dienstag, dass Mexiko mit eigenen Vergeltungszöllen auf US-Waren reagieren werde. Details will sie am Sonntag bekannt geben. Die Verzögerung könnte darauf hindeuten, dass Mexiko noch hofft, den Handelskrieg zu deeskalieren.
  • Als Reaktion kündigte auch China Gegenzölle auf Agrarprodukte und weitere Massnahmen gegen US-Firmen an. Wie das Pekinger Handelsministerium mitteilte, werde China ab dem 10. März zusätzliche Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Hühnerfleisch, Weizen, Mais und Baumwolle aus den USA erheben. Für andere landwirtschaftliche Produkte, darunter Sojabohnen, Schweinefleisch und Rindfleisch, werde ein Zusatzzoll von 10 Prozent gelten. Auch kündigte Peking an, weitere US-Unternehmen auf eine Liste unzuverlässiger Entitäten zu setzen, womit ihnen Einschränkungen oder vollständige Verbote für Geschäftsaktivitäten in China drohen.

    Die Drohung: US-Präsident Donald Trump droht ebenfalls mit Zöllen auf landwirtschaftliche Produkte. Er wolle solche Zölle ab dem 2. April einführen, teilte er auf seiner Social-Media-Plattform mit. Dabei richtete er sich direkt an die Landwirte und Landwirtinnen der USA: Sie sollten sich darauf vorbereiten, viele landwirtschaftliche Produkte herzustellen, die dann innerhalb des Landes verkauft werden sollen, so Trump.

Kurzeinschätzung von China-Korrespondent Samuel Emch

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«Die Zölle auf Agrarprodukte wurden von Propagandamedium Globaltimes bereits in Aussicht gestellt. Es ist genau die Reaktion, von der chinesische Experten noch vor Trumps Amtsantritt gesprochen haben, als sie über mögliche Reaktionen spekuliert haben. 

Auch, dass die Sanktionsliste von US-Unternehmen ergänzt wurde, war absehbar und insofern keine Überraschungen. China will auf die US-Zollerhöhungen ebenfalls mit Zöllen reagieren, aber auch andere Druckmittel einsetzen. Dazu gehören die schwarzen Listen oder etwa auch Einschränkungen bei Exporten von seltenen Erden. China versucht die Hebel zu betätigen, die es hat, ohne dabei die eigene Wirtschaft zu stark zu belasten.

Die Behörden betonen einmal mehr, dass man keinen Wirtschaftskrieg, keine Zollschlacht will. Was glaubwürdig ist. Schliesslich ist China deutlich stärker von Exporten abhängig als die USA. Gleichzeitig reagiert man auf die US-Zölle mit Gegenzöllen. Peking wird die Handelshemmnisse der USA nicht unbeantwortet lassen und dreht so unweigerlich an der Eskalationsspirale.»

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SRF 4 News, 03.03.2025, 22 Uhr ; 

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