Fast zwei Tage nach Beginn der algerischen Befreiungsaktion in der Sahara werden noch mehr als 33 Menschen vermisst oder gefangengehalten. Sie befinden sich vermutlich auf dem von Islamisten belagerten Gasfeld in Aménas.
«Der algerische Regierungschef hat deutlich gemacht, dass die Operation immer noch andauert, die Lage instabil ist und noch in mehreren Fällen Geiseln in Gefahr sind», sagte US-Aussenministerin Hillary Clinton nach einem Telefongespräch mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal. Die Situation vor Ort sei weiterhin «ausserordentlich schwierig und gefährlich».
Amerikaner getötet
Laut dem algerischen Kommunikationsminister befinden sich noch 30 Geiseln in der Gewalt der Terroristen. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI und ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte berichteten hingegen, sieben bis zehn Menschen befänden sich noch in Händen der Entführer.
Nach ANI-Angaben handelt es sich bei den noch festgehaltenen Geiseln um drei Belgier, zwei US-Bürger, einen Japaner und einen Briten. Der norwegische Aussenminister hat bestätigt, dass zwei von acht norwegischen Geiseln freigekommen seien. Sie waren Mitarbeiter des Energiekonzerns Statoil.
Bei der Erstürmung der besetzten Gasanlage befreite die algerische Armee laut eigenen Angaben 650 Menschen, darunter etwa 100 Ausländer.
Der gewaltsame Befreiungsversuch forderte aber auch zahlreiche Tote. Die algerische Regierung spricht von 12 getöteten Geiseln. Das US-Aussenministerium bestätigte den Tod eines Amerikaners. Ebenfalls offiziell ist, dass sieben weitere Ausländer starben.
«Wahres Massaker verhindert»
Von den möglicherweise 32 Geiselnehmern seien 18 «ausser Gefecht gesetzt», erklärten die algerischen Behörden.
Die algerische Armee hat ihren umstrittenen Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln verteidigt. Der Einsatz sei eine Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten.
Lage bleibt unübersichtlich
Mit dieser Aussage zitierte die Tageszeitung El-Khabar einen namentlich nicht genannten Armeesprecher.
Schwer bewaffnete dschihadistische Terroristen hatten die Gasanlage in Aménas am Mittwoch besetzt und Geiseln genommen. Sie forderten Frankreich auf, seine Militärintervention in Mali benachbarten Mali zu beenden.
Die Situation spitzte sich dramatisch zu, als die algerische Armee am Tag darauf einen Befreiungsversuch startete. Die Dschihadisten kündigten weitere Anschläge auf ausländische Einrichtungen an. Seitdem ist Lage unübersichtlich.
UNO-Sicherheitsrat verurteilt Angriff
Auch der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Angriff in der algerischen Wüste scharf. Die Täter, die Hintermänner und Geldgeber dieses Terrorakts müssten vor Gericht gebracht werden, teilte das höchste UNO-Gremium in einer Erklärung am Freitagabend mit.
Algerien lässt keine Vertreter westlicher Länder in die Nähe der Anlage, die vom britischen Energieriesen BP gemeinsam mit dem norwegischen Ölkonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach betriebenen wird.