- Neue Textentwürfe provozierten in Madrid einen Aufschrei bei Umweltschützern und Entwicklungshelfern.
- Viele der knapp 200 Länder lehnten die Kompromissvorschläge ab.
So fehlte im Entwurf für die Abschlusserklärung etwa eine nachdrückliche Aufforderung, im Jahr 2020 die Ziele beim Einsparen von Treibhausgasen zu erhöhen – vor allem für Staaten, die schon jetzt mit fatalen Folgen des Klimawandels kämpfen, ist das ein Knackpunkt.
Eigentlich hätte schon am Freitagabend Schluss sein sollen. Dass UNO-Klimaverhandlungen länger dauern als angekündigt, ist aber normal. 196 Staaten und die EU arbeiten seit zwei Wochen in Madrid an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll. Derzeit reichen die Fortschritte und Ankündigungen der Staaten dafür längst nicht aus.
Ohne Frist oder Appell
In dem vorgelegten Textentwurf war lediglich eine Erinnerung an das Pariser Abkommen enthalten, das eine Aktualisierung der Zusagen für 2020 vorsieht – ohne Frist oder Appell, auch wirklich etwas draufzulegen. Die Vertreterin der EU sagte im Plenum, ohne ein starkes Signal für mehr Ehrgeiz im Klimaschutz könne man die Konferenz nicht verlassen.
Viele andere Staaten klagten über zu schwache Formulierungen. Der Leiter der Schweizer Delegation, Franz Perrez, sagte es sei besser dieses Jahr keine Einigung beim CO2-Handel zu erzielen, als eine schlechte. «Wenn wir einen Beschluss fassen, der voller Schlupflöcher ist, werden wir diese Schlupflöcher nicht mehr los.» Brasilien, die USA, Saudi-Arabien und andere, die als Bremser genannt werden, zeigten sich ebenfalls unzufrieden – aber zu anderen Themen.
Die Leiterin der Klimakonferenz, Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt, drängte die Staaten, konstruktiv zu verhandeln: «Wir sind in der Verlängerung. Wir müssen der Aussenwelt zeigen, dass wir liefern, dass Multilateralismus funktioniert», sagte sie. Damit ist die weltweite Zusammenarbeit von Staaten gemeint.
Gegen faulen Kompromiss
Es geht dieses Jahr bei den Verhandlungen auch darum, das Regelwerk für den internationalen Klimaschutz weitgehend abzuschliessen. Vor einem Jahr gelang keine Einigung auf Regeln, nach denen Staaten mit Klimaschutz-Gutschriften handeln können. Wenn diese Regeln nicht gut gemacht sind, könnten sie den Klimaschutz eher ausbremsen als fördern – darum vertritt neben der Schweiz etwa auch Deutschland die Position, eine Einigung lieber zu vertagen, als einen faulen Kompromiss zu akzeptieren. «Selbst wenn wir das hier nicht abschliessen können, dann ist das kein Scheitern der Konferenz», hatte Schulze dazu gesagt.
Ein drittes grosses Streitthema ist die Forderung ärmerer Länder nach mehr Unterstützung von den reichen Industriestaaten. Dabei geht es diesmal vor allem um Schäden, die Extremwetter wie Stürme, Dürren und Starkregen jetzt schon anrichten. Durch den Klimawandel werden diese noch verstärkt. Harjeet Singh von der Hilfsorganisation Action Aid sagte, die USA blockierten hier – aber auch die EU, Australien und Kanada seien nicht bereit, mehr zu tun. «Wir sehen keinen Fortschritt bei der Finanzierung. Wir können nicht einfach ständig Ambitionen der Entwicklungsländer fordern, ohne Geld auf den Tisch zu legen.»