Die Champions League ist eine Geldmaschine. Gut vier Milliarden Franken hat der Fussballwettbewerb letztes Jahr durch den Verkauf der Fernsehrechte und durch Sponsoring umgesetzt – und einen grossen Teil davon dann in die Kassen der Klubs und der Uefa gespült. Zuständig für diese Vermarktung ist seit 1992 eine Firma mit Sitz in Luzern, die Team Marketing AG. Jetzt aber hat das Schweizer Unternehmen diesen lukrativen Auftrag verloren. Ab 2027 kümmert sich mit Relevent Sports eine Konkurrentin aus den USA darum, dass die Champions-League-Millionen sprudeln.
Für Team ist dies ein herber Schlag. Die Luzerner Firma mit 168 Mitarbeitenden hat sich vor allem über dieses Fussball-Engagement definiert. Wer beim Unternehmen anruft und in der Warteschleife landet, hört dort die Champions-League-Hymne. Anzeichen dafür, dass der Auftrag für die Vermarktung nach über drei Jahrzehnten an eine andere Firma vergeben werden könnte, habe es im Vorfeld keine gegeben – bei Team hat man erst durch die Kommunikation der Uefa davon erfahren.
«Unsere Enttäuschung ist gross», schreibt Team in einem Statement. Das Unternehmen versucht nun, neue Geschäftsfelder zu erschliessen, um möglichst alle Mitarbeitenden auch in zwei Jahren noch beschäftigen zu können. Mehr könne man derzeit nicht sagen, heisst es. Das Unternehmen werde in einigen Monaten wieder kommunizieren.
Mehr Wachstumspotenzial in Nordamerika
Team Marketing ist eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Highlight Communications, welcher dem ehemaligen Präsidenten des FC Basel, Bernhard Burgener, gehört. Das Fussballgeschäft war für den Konzern stets von grosser Bedeutung, es hat jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge in das Unternehmen gepumpt. Burgener hat sich bislang noch nicht zum Verlust der Champions-League-Rechte geäussert. Das könnte damit zusammenhängen, dass derzeit die Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest im Mai in Basel in vollem Gange sind – eine andere Tochterfirma des Konzerns vermarktet nämlich das Show-Ereignis des Jahres.
Die Abservierung des Schweizer Partners kann vermutlich dahingehend interpretiert werden, dass sich der europäische Fussballverband und die wirtschaftsstarken europäischen Klubs in Nordamerika am meisten Wachstumspotenzial versprechen. Die Weltmeisterschaften 2026 finden in den USA, Kanada und Mexiko statt und dürften – vor allem in den USA – einen neuen Fussball-Boom auslösen. Mehrfach wurde schon spekuliert, dass künftig sogar einzelne Champions-League-Spiele oder das Finalspiel in den USA ausgetragen werden könnten.
Hinter dem neuen Champions-League-Vermarkter Relevent Sports steht der 84-jährige US-amerikanische Multimilliardär Stephen Ross, dem unter anderem das American-Football-Team Miami Dolphins gehört. In den letzten Jahren hat sich Ross zunehmend für Fussball zu interessieren begonnen. So hat er sich unter anderem die Vermarktungsrechte der spanischen, englischen und deutschen Liga für Nordamerika geangelt.