Strom sparen, Kochen mit Deckel, die Kühlschranktemperatur erhöhen, duschen statt baden: Der Bundesrat ruft die Bevölkerung in einer Kampagne zum Stromsparen auf. Der Winter soll auch ohne Gas aus Russland möglichst ohne Stromunterbrüche über die Bühne gehen, das Thema Energiekrise ist omnipräsent.
Ausgerechnet jetzt im Herbst sollen Bewohnerinnen und Bewohner von Häusern und Wohnungen in den «kritischen Abendstunden Licht brennen lassen», raten die Aargauer und Zürcher Kantonspolizei. Mit dem Wechsel auf die Winterzeit rechnet unter anderem die Aargauer Polizei vermehrt mit Einbrüchen. Licht, das brennt, könne Einbrecher abschrecken – ein altbekannter Tipp der Polizei.
Auf frischer Tat ertappt
In Lenzburg zum Beispiel rüttelte am Dienstag ein Mann an einer verschlossenen Haustür. Die Bewohnerin schilderte den Vorfall ihrem Sohn, der den Mann auf den Bildern der privaten Überwachungskamera erkannte. Er hatte ihn zuvor in der Nähe gesehen. Er habe sich auf die Suche nach ihm gemacht und den Verdächtigen und einen Begleiter am Bahnhof Lenzburg gesichtet, schildert die Polizei.
Der junge Mann habe die Polizei gerufen. Diese hat zwei Rumänen ohne festen Wohnsitz in der Schweiz festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden auf Einbruchstour waren. Die Ermittlungen laufen noch. «Gerade der Vorfall in Lenzburg zeigt beispielhaft, wie Wohnungseinbrecher zu Fuss umherstreifen und dabei mögliche Tatobjekte spontan aussuchen», so die Kantonspolizei Aargau. Genau deshalb rate sie dazu, das Licht brennen zu lassen.
Die Zürcher Kantonspolizei empfiehlt gemäss Mediensprecherin Carmen Surber genau dasselbe: «Wir raten den Leuten trotz Energiesparmassnahmen, das Licht brennen lassen – punktuell, mit LED-Lampen, die wirklich nicht viel Strom verbrauchen.»
Das sei kein Widerspruch zum Aufruf, Strom zu sparen, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei: «Wir sprechen ja nicht von Flutlicht, sondern von ein bis zwei Lämpchen, die eine begrenzte Zeit mit einer Zeitschaltuhr gesteuert brennen.»
«Wir raten den Leuten trotz Energiesparmassnahmen, das Licht brennen zu lassen.
Als Sparmassnahmen in der Energiekrise lassen die Gemeinden die Strassenbeleuchtung weniger lang brennen. Ob dies zu mehr Einbrüchen führen wird, kann Mediensprecher Bernhard Graser nicht sagen. «Wir können keine Prognose machen. Wichtig ist, dass man im Haushalt das Möglichste unternimmt, damit Einbrecher nicht einsteigen», meint er. Türen und Fenster schliessen und mit LED-Lampen in verschiedenen Zimmern für Licht sorgen, das benötige nur ein paar Watt Strom und sei vertretbar, findet Graser. Anwesenheit vortäuschen, ein Paar Schuhe vor der Tür stehen lassen – das könne ebenfalls helfen, ergänzt die Zürcher Polizei.
Die Polizei patrouilliert vermehrt und setzt im Kampf gegen Einbrecher erneut auf Informationskampagnen, ab nächster Woche unter anderem im Kanton Zürich.