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Fortpflanzungsmedizin Junge Frauen sind offen gegenüber Eizellenspenden

Der Bundesrat will die Eizellenspende in der Schweiz legalisieren. Die Frage ist nun, woher diese Eizellen kommen könnten. Eine Untersuchung zeigt, dass junge Schweizerinnen dem Spenden nicht abgeneigt sind.

Für die einen ist eine Eizellenspende aus religiösen Gründen undenkbar, andere wurden selbst mit einer Eizellenspende gezeugt und sind deshalb froh, dass es in anderen Ländern schon erlaubt ist.

Dazwischen gibt es ganz viele unterschiedliche Meinungen, wie eine Befragung von verschiedenen Reproduktionsmedizinern bei jungen Frauen in der Schweiz zeigt.

Verschiedene Röhrchen, die in einem Behälter hängen.
Legende: Tiefgefrorene Eizellen: Bisher werden Eizellen in der Schweiz nur für den Eigengebrauch gewonnen. KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

In der Schweiz ist im Moment die Samenspende erlaubt, nicht aber die Eizellenspende. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich 500 Paare ins Ausland reisen – unter anderem, weil in der Schweiz die Eizellenspende nicht erlaubt ist.

Nächstenliebe und soziale Gründe

Die Studie, die bei jungen Frauen in der Region Basel durchgeführt wurde, zeigt, dass sich eine Mehrheit der jungen Frauen eine Eizellenspende vorstellen könnte. In den Interviews haben die Frauen erklärt, weshalb es für sie eine Option sein könnte. Anna Raggi, Studienautorin und Reproduktionsmedizinerin, sagt, sie sei erstaunt gewesen, wie viele Frauen es sich aus altruistischen Gründen vorstellen könnten.

Einige Frauen gaben auch an, dass sie sich vorstellen könnten, für sich selbst eine Eizellenreserve anzulegen und diese später zu spenden. Eizellen, die durch «Social Freezing» gewonnen wurden, könnten so später für andere Frauen verwendet werden.

Wenn ich wüsste, dass es meinem Körper nicht schadet, könnte ich mir vorstellen, Eizellen zu spenden.
Autor: Anonyme Studienteilnehmerin

Die dritte Möglichkeit ist das sogenannte «Egg sharing». Fruchtbarkeits­behandlungen wie In-​Vitro-Fertilisation (IVF) werden in der Schweiz nicht von den Krankenkassen bezahlt. Da die Therapie sehr kostspielig ist, könnte das Paar einen Teil der Eizellen spenden und so die Kosten für die eigene Therapie reduzieren.

Klare Regeln und Gesetze

Es ist laut Raggi wichtig, dass gesetzlich klar geregelt werde, wer Eizellen spenden dürfe. Junge Frauen hätten Vorteile, da bei Ihnen die Fruchtbarkeit höher sei. Aber sie fände ein Mindestalter von 18 Jahren sinnvoll, so Raggi.

Samenspende in der Schweiz

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Das Gesetz erlaubt bereits heute die Samenspende. Zugang dazu haben jedoch nur verheiratete Paare, seit Mitte 2022 auch verheiratete Frauenpaare. Alle Samenspender werden heute in einem Register erfasst, mit Namen, Geburtsdatum, Heimatort/Nationalität, Wohnort, Beruf/Ausbildung und Aussehen. Inzwischen zählt die Schweiz etwa 810 registrierte Samenspender. Sie bekommen pro Spende 150 Franken Aufwandsentschädigung.

Vielen sei nicht bewusst, dass eine Frau durch eine Eizellenspende nichts verliere. «In jedem Zyklus verliert eine Frau 1000 Eizellen, damit eine Eizelle reifen und ovulieren kann. Wenn wir Eizellen entnehmen, nehmen wir Eizellen, die so oder so verloren gegangen wären. Wir reduzieren nicht die ovarielle Reserve, also die Eizellen einer Frau.»

Gegnerinnen und Gegner der Eizellenspende befürchten, dass bei einer Legalisierung der Eizellenspende nicht ausreichend Schweizerinnen zur Spende bereit wären, um die Nachfrage zu decken. So könnten Frauen aus ökonomisch unterprivilegierten Ländern für eine Spende ausgebeutet werden.

Ausland als Ausweichmöglichkeit

Heute reisen viele Paare, die eine Eizellenspende brauchen, ins Ausland, beispielsweise nach Spanien oder Tschechien. Andere Länder, welche die Eizellenspende erlaubt haben, haben Mühe genügend Spenderinnen zu finden. So würden in Österreich beispielsweise auch Eizellen importiert, erklärt Raggi.

Die Studie

Das könnte wohl auch in der Schweiz nötig sein. In Österreich ist die anonyme Spende verboten. Das heisst: Es werden nur Eizellen aus Ländern importiert, in denen eine anonyme Spende auch verboten ist. Somit kann das Kind später seine genetische Mutter kontaktieren.

News Plus, 31.1.2025, 16 Uhr; reim

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