Die Bilder vom Äscher gingen um die Welt, das Berggasthaus und der nahegelegene Seealpsee wurden zu Instagram-Stars. Auch das Dorf Appenzell kennen viele über die Landesgrenzen hinaus. Hinzu kamen in den letzten zwei Jahren monatelange Reisebeschränkungen und ein Bergsport-Boom, sodass auch viele einheimische Tagesausflüglerinnen und -ausflügler den Weg in den Alpstein fanden.
1.8 Millionen Gäste letztes Jahr
Der Kanton Appenzell Innerrhoden ist schon fast ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Die Touristen kamen in Scharen. Und: Viel mehr Verkehr, viel mehr Abfall, viel mehr Leute, viel mehr Reklamationen – die Probleme nahmen rasant zu. Der Innerrhoder Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Roland Dähler sagt: «Der Kanton musste sich Gedanken machen, ob man das überhaupt will.»
Darum gab die Regierung eine Tourismus-Strategie in Auftrag. 15 Massnahmen haben Experten zusammen mit der Standeskommission definiert. Zwei davon: Weniger Tagestouristen, mehr Übernachtungsgäste. Ein Grossteil der rund 1.8 Millionen Menschen, die 2022 einen Ausflug in den Kanton Appenzell Innerrhoden machten, reist morgens an und fährt abends wieder heim.
Der Übernachtungstourismus belastet die Infrastruktur weniger als der Tagesgast.
Landammann Roland Dähler erklärt: «Der Übernachtungstourismus bringt im Bereich der Wertschöpfung mehr und belastet die ganze Infrastruktur weniger als ein Tagesgast.» Dafür brauche es gezielte Werbung, aber auch ein entsprechendes Angebot. Schon jetzt sind die Hotels zu Spitzenzeiten gut ausgelastet.
Mehr Betten nötig
Die Regierung will dafür sorgen, dass neue Hotels gebaut werden können, zum Beispiel im ganzen Bereich der Raumplanung. Drei bis fünf Hotels mehr in den nächsten zehn bis 15 Jahren ist die Idee.
Ein Problem, das sich den Innerrhoder Verantwortlichen in den Weg stellt: Wie will man steuern, dass nicht mehr ganz so viele Tagestouristen kommen? Eine Möglichkeit wäre es, die Parkgebühren zu erhöhen und so den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen. Dafür könnte in Wasserauen – dem Tor zum Alpstein – ein Parkhaus entstehen.
Jeder sechste Arbeitsplatz ist im Tourismus
Was nicht infrage käme: grosse Parkplätze für Reisecars. Den grossen Massentourismus, wie beispielsweise in Interlaken, wolle man nicht. «Wir können bewusst gewisse Sachen nicht fördern», sagt Volkswirtschaftsdirektor Dähler. Appenzell soll Appenzell bleiben. «Wir wollen ein kleines Wachstum, aber kein ungesundes, kurzfristiges.»
Wir wollen ein kleines Wachstum, aber kein ungesundes, kurzfristiges.
Schon jetzt werden im Kanton Appenzell Innerrhoden dank des Tourismus 125 Millionen Franken generiert. Jeder sechste Arbeitsplatz hängt direkt mit der Branche zusammen. Im März kommt die neue Strategie in den Grossen Rat. Es gibt auch einen Fahrplan für die Massnahmen, dieser ist aber nicht öffentlich.