Was ist die Idee hinter Aprioris? Die Notfallstationen in den Spitälern sind überlastet, es gibt zu wenig Hausärztinnen und Hausärzte, und die Wartezeiten in den Permanence-Praxen sind lange. Hier will Aprioris als medizinische Anlaufstelle Abhilfe schaffen. Die sogenannten Walk-In-Praxen sollen ein niederschwelliges Angebot sein bei einfachen und häufigen medizinischen Beschwerden. Damit sollen die Grundversorgung und die Notfallstrukturen entlastet werden.
Wie soll das Konzept das Gesundheitssystem entlasten? Bei Aprioris sind meist nur Pflegefachpersonen vor Ort. Sie kümmern sich um die Untersuchung und Behandlung. Die Verantwortung liegt jedoch immer bei einer Fachärztin oder einem Facharzt. Diese werden bei Unsicherheiten telefonisch hinzugezogen oder sind teilweise auch vor Ort. Auch gewisse Apotheken bieten medizinische Untersuchungen an. Das Angebot von Aprioris geht jedoch weiter. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit für Blutabnahmen oder Medikamentenverschreibungen.
Wieso setzt Aprioris auf Pflegepersonal statt Ärzte? Bei den Praxen von Aprioris treffen die Patientinnen und Patienten meistens nicht auf Ärztinnen oder Ärzte, sondern auf gut ausgebildetes Pflegefachpersonal.
Piloten braucht es – aber im Cockpit und nicht am Check-In.
Für Aprioris-Gründer Christian Köpe ist klar, dass es eigentlich genug Ärzte und Ärztinnen gäbe. Häufig würden diese aber mit Aufgaben absorbiert, für die anderes Fachpersonal zuständig wäre. Oder anders gesagt: «Den Piloten oder die Pilotin braucht es, aber im Cockpit und nicht am Check-In-Schalter.»
Was sagt der Apothekerverband zu Aprioris? «Das ist ein neuer Ansatz, der Impulse geben kann», sagt Hans Jürg Engel, Präsident des Aargauischen Apothekerverbands. Als Konkurrenz sehe er das Walk-In-Konzept nicht. «Aber auch dieses Angebot kann eine hausärztliche Leistung schlussendlich nicht ersetzen», findet Engel. Wichtig sei, dass das Zusammenspiel zwischen Aprioris und dem Hausarzt oder der Hausärztin gut funktioniere.
Wie steht der Kanton Aargau zum neuen Konzept? Für den Betrieb braucht Aprioris die Bewilligung des Kantons. Für die Filiale in Baden hat das Aargauer Gesundheitsdepartement Auflagen formuliert. So muss ein Arzt oder eine Ärztin während dreissig Prozent der Zeit anwesend sein. Es sei ein ähnliches Konzept wie bei einer normalen Hausarztpraxis, heisst es auf Anfrage. Solche neuen Ansätze seien erwünscht. Ziel sei es, dem Mangel an Hausarzt- und Kinderarztpraxen entgegenzuwirken.
Wie sind die Erfahrungen im Kanton Zürich? 2016 startete das Pilotprojekt. Seither hat sich Aprioris im Kanton Zürich etabliert. Rund 10'000 Fälle wurden dort inzwischen behandelt. Eine Befragung der Patientinnen und Patienten zeigt laut Aprioris-Gründer Köpe eine sehr hohe Kundenzufriedenheit. Anders als im Kanton Aargau, muss im Kanton Zürich kein Arzt oder keine Ärztin vor Ort sein. Die telefonische Erreichbarkeit sei aber Pflicht, heisst es beim Kanton Zürich auf Anfrage.
Wo gibt es überall solche Praxen? Aktuell ist Aprioris im Kanton Zürich an fünf Standorten vertreten. Vier davon in der Stadt Zürich und einer in Winterthur. In Baden AG im Kanton Aargau hat Aprioris Anfang März die erste Praxis im Kanton Aargau eröffnet. Weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. Im Kanton Thurgau hat Aprioris bereits die Bewilligung erhalten und will in Kürze in Amriswil eine Praxis eröffnen. In weiteren Kantonen sollen Praxen folgen.