Eine Alternative zu Fleisch ist gepflanztes Poulet, hergestellt vom Unternehmen Planted. Judith Wemmer ist Geschäftsleitungsmitglied. Sie ist auf der Suche nach Rohstoffen für ihre Produkte, vor allem Gelberbsen.
«Für unsere Produkte brauchen wir Rohstoffe in sehr guter Qualität. Momentan ist die Qualität in der Schweiz so nicht verfügbar.» Deshalb importiert Planted die Gelberbsen, vor allem aus Frankreich.
Für unsere Produkte brauchen wir Rohstoffe in sehr guter Qualität. Und momentan ist die Qualität in der Schweiz so nicht verfügbar.
Im Moment sind Fleischersatzprodukte noch ein Nischenmarkt. So haben diese Produkte erst einen Marktanteil von 2.3 Prozent, verglichen mit Fleisch. Aber der Konsum steigt. Zwischen 2016 und 2021 hat sich der Verkauf verdoppelt, zeigt eine Untersuchung des Bundes.
Der Bund will nun im landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2022 den Anbau von pflanzlichen Proteinen für unsere Ernährung fördern. Er will also nicht länger nur den Verzehr von Fleisch und Milch fördern, sondern auch den Anbau von pflanzlichen Proteinen.
«Ein längst notwendiger Schritt», sagt der Agrarökonom der ETH Zürich, Robert Finger. «Es ist ein wichtiger Schritt, dass wir von einer reinen Agrarpolitik hin zu einer Agrar- und Ernährungspolitik gehen.»
Der Anbau solcher Pflanzen sei sinnvoll, sagt auch Hans Ramseier. Er hat sich als Agrarökologe an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften mit proteinreichen Pflanzen auseinandergesetzt: «Die Kulturen, die infrage kommen, wie Soja, Lupinen und Ackerbohnen, können wir in der Schweiz erfolgreich anbauen.»
Die Kulturen, die infrage kommen, wie Soja, Lupinen und Ackerbohnen, können wir in der Schweiz erfolgreich anbauen.
Bei Soja gäbe es Sorten, die in guten Lagern problemlos ausreifen würden. Auch die anderen Kulturen könnten wir in der Schweiz anbauen. «Deshalb sollten sie in der Schweiz angebaut und nicht von Brasilien importiert werden.»
Es seien wertvolle Kulturen für eine gute Bodenqualität, so der Agrarökologe. Für die Agrarpolitik sei dies ein Schritt in eine gute Richtung: «In Zukunft muss sich die Agrarpolitik in die Richtung bewegen, dass man nicht nur die Landwirtschaft im engeren Sinne sieht, sondern auch die Ernährung.»
Unterstützung in Millionenhöhe
Der Bund rechnet mit finanziellen Beiträgen von einer Million Franken an die Bäuerinnen und Bauern. Es gäbe grosses Interesse der Bauern, sagt auch der Direktor des Bauernverbandes, Martin Rufer. Er geht davon aus, dass die Anbaufläche in den nächsten Jahren noch wachsen wird.
Wenn es mehr Geld für den Anbau von Erbsen, Linsen, Soja brauche, müsse man klären, woher dieses Geld kommen soll. Der finanzielle Anteil für tierische Proteine, also Milch und Fleisch, soll dabei nicht sinken, so Rufer. «Es geht nicht darum, dass man eine Produktion gegen die andere ausspielt. Die ganze Produktion hat ihre Berechtigung.»
Es geht nicht darum, dass man eine Produktion gegen die andere ausspielt. Die ganze Produktion hat ihre Berechtigung.
Mittelfristig dürften Erbsen, Bohnen und Linsen für die Industrie aber immer noch teurer sein als die importierten. Für das Unternehmen Planted lohne es sich vor allem aus der Nachhaltigkeitsperspektive, Rohstoffe aus der Schweiz zu kaufen, wie Judith Wemmer sagt.
Langfristig brauche es aber noch mehr: «Der Preis der Produkte ist im Endeffekt abhängig von den wirtschaftlichen Bedingungen, die in der Schweiz geschaffen werden können.» Schweizer Fleisch sei beispielsweise auch kompetitiv, weil es einerseits stark von staatlichen Unterstützungen abhängig sei. Andererseits davon, dass das Landwirtschaftssystem in die Richtung gebracht werde, dass es preis-kompetitiv sein könne.
«Dieser Schritt muss bei der pflanzlichen Ernährung absolut auch kommen.» So, dass künstliches Fleisch aus Pflanzen mit dem tierischen Fleisch preislich mithalten kann.