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Schifffahrt eingeschränkt Brienzersee: Tiefer Pegel bremst Schiffe aus

Der tiefe Wasserstand des Brienzersees stellt die BLS-Schiffe vor grosse Probleme. Besserung ist nicht in Sicht.

In den letzten zwei Monaten hat es nur wenig geregnet, gleichzeitig lässt die Schneeschmelze noch auf sich warten. Die Folge: Der Pegelstand des Brienzersees ist stark gesunken. Aktuell liegt er 40 Zentimeter unter dem, was für diese Jahreszeit üblich wäre.

Für die BLS-Schifffahrt sind die Folgen gravierend, vor allem beim Brienzersee. Das Problem: Die Schiffe der BLS müssen ab Interlaken Ost durch den Aare-Kanal bis zum offenen See fahren. «Dort ist es besonders prekär», sagt Andri Largiadèr, Leiter Nautik bei der BLS Schifffahrt AG, und erklärt: «Der Kanal ist sowieso nicht sehr tief und wenn der gesamte Seepegel sinkt, dann spitzt sich die Lage zu.»

Momentan bedeutet das: In Interlaken Ost dürfen keine Leute an Bord. Vielmehr müssen die Schiffe leer durch den Kanal fahren. Erst in der Interlakner Nachbargemeinde Bönigen können die Gäste zusteigen. Dorthin gelangen sie mit Ersatzbussen. Und diese wiederum generieren bei der BLS Schifffahrt AG Mehrkosten.

Ein grosses weisses Schiff fährt auf dem Brienzersee.
Legende: Die BLS-Flotte auf dem Brienzersee besteht aus vier Schiffen, darunter die «MS Jungfrau». Keystone / Peter Schneider

Anfang März war die Situation noch schlimmer: Der Wasserstand des Brienzersees war so tief, dass die Schiffe den Kanal gar nicht mehr passieren konnten. Darum konnten sie abends nicht mehr im Hafen von Interlaken Ost anlegen, sondern mussten nach Brienz zurückgebracht werden. Das bedeutete mehr Aufwand für die Schiffsmannschaft – und damit noch höhere Kosten für die BLS Schifffahrt AG.

Ab dem 12. April gilt ein Fahrplanwechsel. «Dass wir dann wieder ab Interlaken Ost fahren können, ist unwahrscheinlich», sagt Largiadèr. Denn: Regen ist nicht angesagt.

Notfallplan: nur noch halbvolle Schiffe

Anders als beim Brienzersee liegt der Wasserstand beim Thunersee jetzt, Anfang April, im Normalbereich. Auch dort müssen die Schiffe durch einen Kanal fahren, um zum Bahnhof zu gelangen. Momentan ist dies möglich.

Hier geht es wirklich um Zentimeter.
Autor: Andri Largiadèr Leiter Nautik bei der BLS Schifffahrt AG

Aber falls der Wasserpegel wieder sinke, unter den Pegel von Anfang März, müsse man reagieren, sagt Andri Largiadèr von der BLS Schifffahrt AG: «Dann werden wir versuchen, mit halbvollen Schiffen zu fahren. Das beeinflusst den Tiefgang eines Schiffes erheblich.» Also zum Beispiel statt 1000 Gäste nur 500 aufnehmen und die Treibstofftanks weniger befüllen. «Das kann bis zu zwölf Zentimeter weniger Tiefgang ausmachen», sagt Largiadèr und fügt an: «Das tönt nach wenig, aber hier geht es wirklich um Zentimeter.»

Da stellt sich die Frage, ob der Kanton Bern die Wassermenge der Seen nicht entsprechend regulieren könnte.

Motorschiff «Stadt Thun» auf dem Thunersee, mit dem Niesen im Hintergrund,
Legende: Keine Entspannung in Sicht: Auch in den nächsten Wochen ist trockenes Wetter angesagt. Keystone / Peter Schneider

Bernhard Wehren, der beim Amt für Wasser und Abfall für die Seeregulierung zuständig ist, sagt: «Wir versuchen die Seen so zu regulieren, dass wir die üblichen Wasserstände erreichen. Aber es gibt auch Grenzen. Eine gewisse Wassermenge muss einfach in die Aare fliessen.»

Aber auch für Wehren ist klar: Eine deutliche Entlastung zeichnet sich nicht ab. Darum hofft auch er auf Regen. «Aber besser nicht zu viel auf einmal, sondern gut dosiert.»

Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis, 4.4.2025, 17:30 Uhr ; 

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