Anhaltende Trockenheit: In der Schweiz ist der Wasserstand zahlreicher Seen vor allem nördliche der Alpen tief bis sehr tief. Das zeigen die Messungen des Bundesamts für Umwelt (Bafu). Gerade für die Landwirtschaft könnte das, sollten substanzielle Niederschläge in nächster Zeit ausbleiben, zu Problemen führen.
So tief wie seit 50 Jahren nicht mehr: Bereits jetzt spürbar sind die tiefen Pegelstände etwa am Bodensee. Der Pegel des Untersees ist auf ein extremes Niveau abgesunken. Anfang April war der Wasserstand letztmals 1972 so tief wie er sich derzeit präsentiert. Nur noch 15 Zentimeter liegt der Pegel über dem niedrigsten jemals gemessenen Wert zu dieser Jahreszeit, schreibt der Kanton Thurgau. So ist etwa der Hafen von Mannenbach TG ausgetrocknet, wie aktuelle Bilder zeigen.
Tiefer Wasserstand am Bodensee
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Bild 1 von 5. Der Untersee, ein Teil des Bodensees, führt aktuell sehr wenig Wasser. (2.4.2025). Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 2 von 5. Im thurgauischen Mannenbach-Salenstein stehen deshalb Boote beinahe komplett auf dem Trockenen. (2.4.2025). Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 3 von 5. Wegen zu wenig Regen und Schmelzwasser ist der Wasserstand am Bodensee sehr niedrig. (2.4.2025). Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 4 von 5. Und die kommenden Tage geben wenig Hoffnung auf mehr Wasser. (2.4.2025). Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 5 von 5. Deshalb wurde der Hafen auch geschlossen. (2.4.2025). Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
Lage am Obersee weniger ausgeprägt: Um 40 Zentimeter unter dem üblichen Niveau zeigt sich der Wasserstand am oberen Teil des Bodensees. Dort war er anfangs April letztmals 1996 so niedrig wie aktuell. Dies bestätigt Simon Eschle, Meteorolge bei SRF: «Die Situation ist aussergewöhnlich. In den letzten 30 Jahren war der Wasserpegel zu dieser Jahreszeit noch nie so tief, wie er es aktuell ist.» Der Bodensee ist nebst dem Walensee der einzige der grossen Schweizer Seen, der nicht reguliert ist.
Zu wenig Regen: Eschle sieht der fehlende Niederschlag der letzten Zeit ursächlich für die tiefen Wasserstände vieler Schweizer Seen. «Gerade Februar und März waren in weiten Teilen der Schweiz deutlich zu trocken.» An vielen Orten habe es nur etwa die Hälfte des Niederschlags gegeben, der normalerweise falle.
Bund ist noch nicht alarmiert: Philippe Gyarmati ist Hydrologe beim Bafu und ordnet die Lage gegenüber SRF ein. «Aktuell ist die Situation unkritisch. Wenn sich die Trockenheit fortsetzen würde, muss man die Lage sicher im Auge behalten.» Doch wann könnte die Trockenheit zum Problem werden? «Wenn es jetzt im April und Mai keinen Regen gibt, dann steigen die Pegel nur langsam und auch die Landwirtschaft wird zunehmend davon betroffen sein», so Gyarmati. Nun werde Meteo Schweiz erstmals zusammen mit dem Bafu Trockenheitswarnungen publizieren – sofern sich die Lage fortsetzt.
Keine Entwarnung von SRF Meteo: Aufgrund ausbleibender Niederschläge und geringen Schmelzwassermengen erwartet Meteorologe Eschle, dass die Pegelstände am Bodensee noch weiter sinken. «In den nächsten Tagen ist sicherlich keine Entspannung in Sicht. Da sieht es nicht nach Niederschlag aus.» Zudem verspreche auch die Schneesituation nicht mehr Wasser in den Seen, sodass nicht viel Schmelzwasser erwartet werde.
Fährkurse nicht betroffen: Auf Anfrage von SRF schreibt ein Sprecher der Bodensee-Schifffahrtsbetriebe, die Fährverbindungen seien vom tiefen Wasserstand nicht beeinträchtigt. Die Fähren zwischen Konstanz und Meersburg sowie Friedrichshafen und Romanshorn führen nach Fahrplan.