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Trockene Wälder Gegen Trockenheit: Der Mensch spielt Biber

In einem Wald in Lenzburg AG werden künstliche Biber-Dämme installiert. Das Ziel: Der Waldboden soll feuchter werden.

Trockene Sommer sind ein Problem für Bäume und Wälder. Dass es so weit kommt, ist aber auf den Menschen zurückzuführen. In einem Wald bei Lenzburg AG versucht man, den menschlichen Eingriff in den Wald rückgängig zu machen.

Die Idee ist es, den Biber zu imitieren. Das Nagetier staut bekanntlich Bäche, hält so Wasser zurück und den Waldboden oberhalb des Damms nass. Was in Lenzburg im Wald neu gebaut wurde, folgt genau diesem Prinzip.

Der künstliche Biberbau

Die zu trockenen Waldböden sind zumindest zum Teil auf die Forstwirtschaft zurückzuführen. Schon vor Generationen wurden künstliche Drainage-Gräben angelegt, damit die Böden austrockneten und der Anbau und die Ernte von Bäumen erleichtert wurden.

Waldboden ist kein Schwamm mehr

Die Drainagen waren zwar gut für die Forstwirtschaft. Darunter gelitten hat jedoch die Biodiversität. Denn Arten, die feuchte Böden oder Teiche mögen, sind so aus den Wäldern verschwunden. Weiter hat der Waldboden seine Funktion als Schwamm verloren, also, dass der Boden in nassen Zeiten Wasser zurückhält und in trockenen Perioden langsam wieder abgibt.

Biberdamm: Echt und fake im Vergleich

In der heutigen Zeit, in der Hitzesommer häufiger werden und Trockenzeiten länger, hat in Lenzburg ein Umdenken stattgefunden. Die Ortsbürgergemeinde als Waldeigentümerin will an verschiedenen Orten den Waldboden wieder «vernässen», heisst es in einer Mitteilung.

Dazu würden gängige Massnahmen eingesetzt, wie etwa der Bau von Weihern oder dass einst begradigte Bäche wieder mehr Platz erhielten. Aber auch künstliche Biberdämme gehören dazu.

Bachlauf soll nicht mehr austrocknen

Die sogenannte Vernässung des Waldes fördere die Biodiversität, aber auch der Mensch könne profitieren, da feuchte Waldstücke länger kühl blieben, sagt der Lenzburger Stadtrat Andreas Schmid.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Gewässer unterhalb des Waldes auch in heissen Zeiten Wasser führen könnten. Andreas Schmid hofft, dass dies einem kleinen Lenzburger Bach, der normalerweise im Sommer austrocknet, in Zukunft hilft: «Wenn dieser Bach feucht bleiben würde, könnten heimische Edel- und Steinkrebse auch im Sommer dort wohnen.»

Künstlicher Damm verschwindet wieder

Die künstlichen Biberdämme in Lenzburg sind vorerst ein Pilotprojekt. «Wir können uns vorstellen, das auch bei grösseren Bächen einzusetzen, wenn es hier klappt», sagt Andreas Schmid.

Neu ist die Idee eigentlich nicht. Denn was im Zweiweihertal ausprobiert wird, ist in Nordamerika schon zigfach erprobt, heisst es aus Lenzburg. Teilweise werden auch grössere Flüsse mit künstlichen Dämmen gestaut.

Mann baut im Fluss an einem Damm
Legende: Im Price River im US-Bundesstaat Utah wird ein künstlicher Damm erstellt. IMAGO/The Republic/Mark Henle

Für die Ewigkeit sind diese künstlichen Biberbauten allerdings weder in den USA noch in Lenzburg gebaut. Die Dämme, die aus natürlichen Materialien gebaut werden, verschwinden irgendwann. Genauso, wie es auch «echte» Biberdämme tun. Eine gewisse Dynamik sei natürlich und deshalb auch so gewollt, heisst es aus Lenzburg.

Der «echte» Biber ist nahe, aber keine Alternative

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Biber im Wasser mit Zweig im Maul.
Legende: Keystone/Christian

Während im Lenzburger Wald der Mensch den Biber imitiert, verbreiten sich die Biber im Kanton Aargau immer mehr.

Im ganzen Kanton leben gemäss Schätzungen 550 Biber. Auch im Aabach, der vom Hallwilersee nach Lenzburg führt, leben Biber. Sie sind damit nicht weit weg vom Zweiweihertal, wo der Mensch ihre Dämme nachbaut. Dies dem Biber zu überlassen, ist jedoch schwierig.

Der künstlich gestaute Bach wäre wahrscheinlich zu klein für ein Biberrevier, sagt Matthias Ott, Leiter der Forstdienste der Stadt. Ausserdem sei der Bach im weiteren Verlauf eingedohlt, sodass sich die Biber vorerst noch nicht bis ins kleine Zweiweihertal vorgewagt haben.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 19.2.25, 12:03 Uhr ; 

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